Schwechat: Schlepper buchten Charterflug. Anzeigen wegen Schlepperei verdreifacht. Insgesamt deutlich weniger Delikte.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 14. April 2021 (05:55)
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Die Luftfahrt liegt seit einem Jahr am Boden, die Passagierzahlen am Schwechater Flughafen mehr als 75 Prozent unter dem Wert von 2019. Da mag es überraschen, dass sich im Vorjahr die Aufgriffe von illegalen Migranten verdreifacht haben. Insgesamt 137 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Fremdenpolizeigesetz weist die Kriminalstatistik des Stadtpolizeikommandos Schwechat (SPK) auf – allesamt am Flughafen. „Das mag überraschend klingen. Uns überrascht das aber nicht“, hält Franz Wachtler, Chef-Kriminalist beim SPK, gegenüber der NÖN fest.

Denn in Ländern wie der Türkei nehmen Schlepper-Unternehmungen zu. Der kurioseste Fall: „Einmal kamen Flüchtlinge mit einer eigens gecharterten Privatmaschine nach Schwechat“, erinnert sich Wachtler. Die Schlepper gaukelten der deutschen Charterfluggesellschaft vor, sie würden Diplomaten befördern und schickten sogar per Fax eine notarielle – allerdings gefälschte – Beglaubigung. Bezahlt wurde das Flugzeug nie. „Meines Wissens hat es das erst vier Mal in Europa gegeben. In Schwechat, München, London und Paris“, erzählt der Kriminalist.

Meines Wissens hat es das erst vier Mal in Europa gegeben.“ Franz Wachtler über das Schleppen per Charterflug

Die Geschleppten hatten jedenfalls den Auftrag nach der Landung ihre Pässe zu vernichten, was sie auch taten. Am Boden beantragten sie sofort Asyl. „Der ein oder andere war aber redselig und berichtete sogar detailliert über Unterkünfte“, erinnert sich Wachtler. Die Hintermänner auszuforschen ist dennoch nahezu unmöglich. Die gestiegenen Anzeigen – pro Person eine Anzeige – sind auch darauf zurückzuführen, dass gerade Flüge in die Türkei während der Pandemie nie eingeschränkt wurden. „Die Flieger sind gut gefüllt“, weiß der Kriminalist.

Cybercrime macht Polizei „Sorgen“

Dass das Frachtgeschäft am Flughafen deutlich weniger beeinträchtigt ist als der Passagierverkehr, zeigt sich laut Wachtler an den Anzeigen wegen Drogendelikten. Diese sind mit 185 Anzeigen sogar geringfügig angestiegen und fast ausschließlich auf den Airport und Schmuggelware zurückzuführen. „Unser Kontrolldruck hat sich ja nicht verändert“, nennt der Chef-Kriminalist einen Mitgrund für die hohen Zahlen.

Auffällig sei, dass Großaufgriffe etwa bei Heroin deutlich zugenommen hätten. „Die kleineren Päckchen über Lieferdienste haben wir sowieso genau im Blick“, so der Polizeibeamte.

Mehr zu tun gab es für die Beamten der Stadtpolizei in Sachen Cybercrime. „Das macht uns Sorgen“, gibt Wachtler zu. Vor allem Delikte wie Betrugsgeschäfte, wo eine Ware bestellt und bezahlt aber nie geliefert wird, nehmen zu. Die Aufklärungsquote lag mit 71,4 Prozent auch mehr als doppelt so hoch wie noch 2019, wo sie nur knapp 30 Prozent betragen hat.

Als erfreulich bezeichnet Wachtler die Entwicklung bei „strafbaren Handlungen gegen fremdes Vermögen“ – dazu gehören Raub, Einbrüche oder Diebstähle. Deren Zahl ging um rund 24 Prozent auf 1.189 Delikte zurück. „Und unsere Aufklärungsquote stieg um 8 Prozent“, lobt der Chef-Kriminalist. Sie machen den überwiegenden Teil der Anzeigenlast aus.

Generell weist die Vorjahresstatistik 2.351 Anzeigen für das Stadtgebiet samt Flughafen aus – ein Rückgang um fast 18 Prozent zu 2019. Die Aufklärungsquote stieg zudem um drei Prozentpunkte auf 52 Prozent und ist „die beste, seit ich die Aufzeichnungen hier kenne. Und das ist seit 2010“, freut sich Wachtler. Zum Vergleich: 2012 lag sie bei nur 31 Prozent.

Corona-Party oder Ähnliches habe es im Einsatzgebiet im Vorjahr übrigens keine gegeben, wie der Chef-Kriminalist sagt. „Es gab zwar Beschwerden und Anzeigen, aber alle stellten sich als Fehlalarm heraus“, betont er. Allerdings galt es zahlreiche Quarantänebescheide zu kontrollieren, 187 an einem Tag war der Höchststand. „Übertretungen wurden keine festgestellt“, unterstreicht Wachtler.