Karl Martin Sukopp: Seine Werke sind sein Leben

Karl Martin Sukopp prägt seit 1955 mit Mosaiken, Skulpturen und Reliefs das Stadtbild in Schwechat.

Brigitte Wimmer Erstellt am 12. November 2018 | 16:58
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Der akademische Bildhauer, Maler und Grafiker Karl Martin Sukopp feierte am Sonntag, den 4. November, seinen 90. Geburtstag. Zum großen Jubiläum bat die NÖN den Ausnahmekünstler um ein Gespräch.

NÖN: Sie sind in Mannersdorf geboren. Wie kamen Sie nach Schwechat, wo sich nun auch Ihr Wohnhaus und Ihr Künstleratelier befinden?
Karl Martin Sukopp: Mit 22 Jahren begann ich an der Akademie für angewandte Kunst in Wien zu studieren. Mein Großonkel, der „Hansionkel“, verschaffte mir damals ein Zimmer im „Popper Brey-Haus“, eine Art Studentenheim, in der Ehrenbrunngasse circa auf der Höhe der heutigen Shell-Tankstelle. Ich hatte auch gleich eine Ausstellung in der Klein Schwechat Kirche in dieser Zeit. Bald darauf lernte ich meine Frau Grete kennen und wurde hier sesshaft.

In der Stadt sind Sie als sehr engagierter und politischer Mensch bekannt. Wie sehen Sie die derzeitige politische Situation in Schwechat?
Sukopp: Es bietet sich hier ein ganz anderes Bild als noch vor ein paar Jahren. Früher war ich mit den Stadtpolitikern im regen Kontakt, ich bekam sehr viele Aufträge für verschiedenste Werke, auch zu politischen Themen. Die Skulptur vor dem Rathaus oder die „Fünf Sinne“ beim Stadion in Rannersdorf stammen von mir. Auch für das Mahnmal für die Opfer der Kriege und des Faschismus am Schwechater Waldfriedhof erhielt ich den Auftrag. Doch heute mit 90 Jahren hat mein Interesse an der Politik nachgelassen.

Wo würden Sie jetzt Ihr Zentrum der Aufmerksamkeit sehen?
Sukopp: Meine Familie ist mir am wichtigsten. Ich habe vier Söhne, den Karl, den Peter, den Paul und den Dohi, und zwei Töchter namens Margarethe (Maxi) und Barbara. Jetzt kann ich mich sogar über acht Enkelkinder und drei Urenkel freuen. Mein Sohn Paul ist Theatermaler und Peter Werbegrafiker. Auch mein Vater konnte sehr gut malen, leider habe ich ihn verloren, als ich 14 Jahre alt war. Er starb im Krieg. Meine Mutter töpferte Sachen aus dem Ton, der in der Schmiede ihres Vaters gebraucht wurde. Fast alle meine Familienmitglieder haben eine künstlerische Ader.

Welchen Lebensabschnitt würden Sie als das „Highlight“ in Ihrem Leben bezeichnen?
Sukopp: Das ist sehr schwer zu sagen. Aber ja, die Zeit als ich in die Grafische Lehr- und Versuchsanstalt gegangen bin, so von 19 bis 23 Jahren, die hat mir schon sehr gut gefallen. Ich war ja ein „mords Gfrast“ und hatte vor nichts und niemandem Angst. Aber auch die Ausstellungen, die mich nach Ankara, Istanbul, Kairo oder Kiew führten, waren sehr spannend.

Sie haben auch für die Kirche Aufträge ausgeführt. Sind Sie ein religiöser Mensch?
Sukopp: Also 1963 hat mich Pfarrer Helmut Blasche gefragt, ob ich für die Rosalienkapelle der Pfarrkirche Schwechat einen Altar und eine Holzkrippe fertigen könnte. Damals, als 35-Jähriger, beschäftigte ich mich sehr stark mit Gott und der Kirche, heute glaube ich mehr an die Endlichkeit des Seins. Auch die Erde hat schon die Hälfte ihrer Zeit hinter sich.

Welche Künstler haben Sie in Ihrem Schaffen beeinflusst?
Sukopp: Meine künstlerischen Vorbilder waren anfangs – so mit zehn Jahren – Toulouse Lautrec und Egon Schiele. Ich hatte da so Kunstkalender zuhause und die beiden Maler haben mich besonders beeindruckt. Später auf der Akademie beeinflusste mich der Bildhauer Fritz Wotruba, den ich auch persönlich kennenlernen durfte und natürlich mein Professor Hans Knesl. In der Akademie war ich zwar für die Bildhauerklasse eingeschrieben, doch ich war in allen Kunstklassen unterwegs und holte mir überall Inspirationen für meine Bilder und Statuen.

Sie sind der letzte Präsident des „Neuen Hagenbundes“, der etwa gleichzusetzen ist mit der Wiener Sezession. Welche Bedeutung hat diese Vereinigung für Sie?
Sukopp: 1899 entstand der „erste Hagenbund“, eine Gemeinschaft bildender Künstler, mit Sitz im Künstlerhaus. Den „Neuen Hagenbund“ gründete 1948 eine Künstlergruppe rund um den Maler Rudolf Richly. 1957 bin ich diesem Künstlerbund beigetreten. Ich habe an einigen Ausstellungen teilgenommen, nun hat man mich als Präsidenten dieser Vereinigung gewählt.