Corona-Impfstoff: Temperatur spielt eine große Rolle. Die Kwizda Unternehmensgruppe aus Leopoldsdorf ist an der Impfstoff-Verteilung beteiligt. Auch Flughafen und DHL haben aufgerüstet. 

Von Stefanie Cajka und Nicole Frisch. Erstellt am 31. Dezember 2020 (04:45)
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Das Warten hat ein Ende. Am Sonntag wurden die ersten Österreicher mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech gegen das Coronavirus geimpft. Mit dem Impf-Start nimmt die Logistik eine Schlüsselrolle ein – und damit auch die Kwizda Unternehmensgruppe. „Es ist ein erster Schritt in Richtung Normalität. Wir sind froh, wenn wir einen Anteil daran haben“, betont Thomas Brosch, Geschäftsführer von Kwizda Pharmahandel.

Bei der Verteilung des Impfstoffs von Pfizer/Biontech übernimmt vorerst der Kwizda Pharmahandel Aufgaben. Für die Kwizda Pharmadistribution, die ihren Sitz in Leopoldsdorf hat, wird es mit der Zulassung des Impfstoffs von Moderna ernst. „Wir rechnen mit einer Zulassung Mitte Jänner“, sagt Brosch. All jene, die Aufgaben bei der Verteilung übernehmen, stellen die Impfstoffe vor neue Herausforderungen.

Es ist ein erster Schritt in Richtung Normalität. Wir sind froh, wenn wir einen Anteil daran haben.“ Thomas Brosch, Geschäftsführer von Kwizda Pharmahandel

Jener von Pfizer/Biontech muss bei minus 70 Grad, jener von Moderna bei minus 20 Grad gelagert werden. Die Lager mussten für diese neuen Temperaturbereiche adaptiert werden. Bei Kwizda wurden neue Kühltechniken und Ausrüstung angeschafft sowie das Personal geschult. Von den Vorbereitungen am Standort in Leopoldsdorf machte sich unlängst Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ein Bild.

Mittlerweile sind diese abgeschlossen. Dass mit den Impfungen nun doch schon dieses Jahr begonnen wurde, stellte für Kwizda kein Problem dar. „Mit den Vorbereitungen waren wir schon fertig, auf die paar Wochen Unterschied kam es nicht mehr an“, so Brosch.

Kühlkette darf nicht unterbrochen werden

Am Flughafen Wien wurde zudem 2019 ein Pharma Handling Center eingerichtet. Dieses wurde im Frachtzentrum eingerichtet und umfasst eine 1.650 Quadratmeter große Cargohalle. In drei getrennten Temperaturbereichen kann temperatursensible Fracht wie die Impfstoffe bis zum Weitertransport gelagert werden. Die Kühlkette wird dadurch nach der Ankunft am Flughafen nicht unterbrochen.

Für den Weitertransport ist unter anderem der Logistikriese DHL zuständig. Dieser hat daher seine österreichischen Standorte für die Verteilung des Impfstoffes gerüstet. Dafür werden die „Life Sciences & Healthcare“-Standorte – darunter auch der DHL Campus in Fischamend – mit Deep Freezern ausgestattet. Diese dienen zur Lagerung von temperaturkritischen Produkten, wie beispielsweise Corona-Impfstoffen und anderen Arzneimittel, bei bis zu minus 80 Grad Celsius. Auch für den Transport ist DHL bereits seit Längerem durch den Einsatz von Thermo-Trucks ausgestattet.

Impfstoff wird bei zwei bis acht Grad geliefert

„Mit den positiven Meldungen zum Stand der Entwicklung der Corona-Impfstoffe ist es wichtiger denn je, ein belastbares und hoch effizientes Transportnetzwerk zu betreiben, das den speziellen Bedürfnissen der ‚Life Sciences & Healthcare‘-Industrie gerecht wird. DHL Global Forwarding ist auf die Corona-Impfstoff-Distribution in Österreich vorbereitet“, betont Christoph Wahl, Geschäftsführer bei DHL Global Forwarding Österreich. Dank des dichten globalen Netzwerks, das sämtliche Anforderungen – unter anderem der Luftfrachtorganisation IATA – erfüllt, könne DHL flexibel auf Bedarfe nach temperaturgeführter Logistik reagieren. „Und sind somit ein verlässlicher Partner für den Transport von temperatursensiblen Arzneimitteln“, erklärt Wahl.

Für die Lagerung der Impfstoffe sind zwar Temperaturen im Minusbereich erforderlich, die Auslieferung erfolgt jedoch in Thermoboxen bei zwei bis acht Grad. „Bei diesen Temperaturen ist der Impfstoff 120 Stunden, also fünf Tage, lang haltbar. Die 120 Stunden beginnen, wenn der Impfstoff aus dem Kühlschrank genommen wird“, so Brosch von Kwizda Pharmahandel. Der Pfizer/Biontech-Impfstoff wird an 17 Standorten in Österreich gelagert. Laut Brosch sind von diesen aus alle Impfstellen in weniger als zwei Stunden erreichbar.

Knapp eine Million Impfdosen erhält Österreich in den ersten drei Monaten von Pfizer/Biontech. Die ersten geimpften Personen waren über 80 Jahre alt, sie zählen aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe.