Handfester Streit unter Nachbarn. Eine Pensionistin und eine 45-Jährige aus Leopoldsdorf standen wegen Körperverletzung vor Gericht. Konkrete Beweise fehlten der Richterin aber.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 04. August 2021 (05:59)
Gericht Symbolbild
Symbolbild
Von Zolnierek, Shutterstock.com

„In die Ecke, Besen, Besen! Seids gewesen.“ Mit der Poesie des „Zauberlehrlings“ von Johann Wolfgang von Goethe hatte der Besen in einer Verhandlung am Landesgericht Korneuburg wegen eines Vorfalls am 24. Februar dieses Jahres wenig zu tun. Eher prosaisch soll dieser zum Einsatz gekommen sein, um eine 45-jährige Nachbarin am Kopf zu verletzen und einen Rippenbruch zu verursachen. So lautete zumindest die Anklage wegen der sich eine 82-jährige Pensionistin vor Richterin Monika Zbiral verantworten musste.

Die Verhandlung stellte allerdings nur den vorläufigen Höhepunkt einer nachbarschaftlichen Auseinandersetzung dar. Seit etwa sechs Jahren schwelt der Streit zwischen den zwei Parteien, der sie unter anderem auch schon ans Bezirksgericht Schwechat geführt hat.

Den Auslöser für die Eskalation im Februar konnten beide Frauen nicht nennen, dafür waren ihre Versionen der Abläufe denkbar unterschiedlich. In einem Fall wurde die 82-Jährige von der Nachbarin an den Haaren gezogen und geschubst – weswegen diese ebenfalls angeklagt war.

In der Aussage der 45-Jährigen war es die Pensionistin, die sie von hinten mit dem Besen angriff, ihr auf den Kopf und schließlich gegen die Rippen schlug. Deren Mann half Richterin Zbiral mit seiner Aussage nur bedingt weiter, unter anderem auch deshalb, weil er mitunter zögerlich auf ihre Fragen reagierte. Die Verhandlung endete mit einem Freispruch für beide Frauen. „Unbefriedigend für alle, auch für’s Gericht“, nannte es Zbiral.

Dass Sie sich selber das Leben schwer machen, kann ich nicht verhindern.“ Richterin Monika Zbiral

„Wechselseitige Schimpftiraden – glaub ich sofort“, begründete die Richterin ihr Urteil, „und dass es so gewesen sein kann, reicht nicht.“ Für einen Schuldspruch bedarf es des Nachweises, der in diesem Fall von keiner Seite erbracht werden konnte. „Dass Sie sich selber das Leben schwer machen, kann ich nicht verhindern“, schien Zbiral nicht sehr überzeugt, dass mit den beiden Freisprüchen Frieden in die Siedlung in Leopoldsdorf einzieht.