Grünes Licht für Umfahrung Zwölfaxing und Pellendorf. Verwaltungsgerichtshof wies Einsprüche gegen die „Spange Zwölfaxing“ endgültig zurück.

Von Nicole Frisch und Otto Havelka. Erstellt am 01. April 2021 (04:32)
Die „Spange Zwölfaxing“ verläuft von der S1-Anschlussstelle Schwechat-Süd zum Kreisverkehr an der Kreuzung B15 und Rauchenwarther Straße.
Retter & Parnter Ziviltechniker, Land NÖ

Mehrere Einsprüche gegen die geplante Umfahrung von Zwölfaxing und Pellendorf haben in den letzten Jahren die Richter beschäftigt. Nun hat der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) als Letztinstanz im Verfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) die Projektgenehmigung der „Spange Zwölfaxing“ bestätigt. „Die Entscheidung ist in letzter Instanz rechtskräftig. Dagegen kann kein Einspruch mehr erhoben werden“, erklärt Wolfgang Köller, Sprecher des Verwaltungsgerichtshofes.

Beim Projektwerber, dem Land Niederösterreich, geht es nun an die konkrete Umsetzung. „Wir können jetzt mit der operativen Phase beginnen“, lässt Gerhard Fichtinger, Sprecher des NÖ Straßendienstes, wissen. Ein Kinderspiel wird die nächste Phase jedoch nicht werden, immerhin geht es dabei um die Grundkäufe. Die Trasse soll von der S1-Anschlussstelle Schwechat-Süd zur B15 östlich der beiden Ortschaften verlaufen. Mit den Eigentümern der Gründe, die sich auf dieser Strecke befinden, müssen nun Verhandlungen geführt werden.

Zum Teil hat das Land bereits Flächen erworben, diese wurden von den Eigentümern zum Verkauf angeboten. Wie lang die weiteren Verhandlungen dauern werden, ist laut Fichtinger unklar. Ein Termin für den Baustart kann daher noch nicht genannt werden.
Als Astrid Reiser 2015 Bürgermeisterin von Zwölfaxing wurde, war das Thema Umfahrung bereits mehrere Jahre am Laufen. „Jetzt ist zumindest die UVP bestätigt“, sagt die SPÖ-Ortschefin.

In der Umfahrung sieht sie einerseits eine „massive Entlastung für den Ortskern“, sie weist aber auch darauf hin, dass jede Straße auch Verkehr anzieht.
Jubelstimmung herrscht jedenfalls bei der Zwölfaxinger ÖVP. „Für uns ist das ein Ostergeschenk“, freut sich Obfrau Ulrike Holzer. Die ÖVP hat die Umfahrung in den letzten Jahren vehement gefordert. Unterschriften wurden gesammelt, beim Land wurde regelmäßig nachgefragt. Auch bei der FPÖ ist die Freude groß, allerdings fürchtet Obmann Reinhard Kopleder langwierige Grundablöseverfahren.

Differenzierte Meinungen zur Umfahrung gibt es bei Zwölfaxings Bürgerliste ZIB. Für Vizebürgermeister Walter Buxkandl war es jedoch zu erwarten, dass das Ersturteil von den Gerichten bestätigt wird. „Für mich war es nur eine Frage der Zeit“, sagt er.
Bürgermeister erwartet
„Aufwertung Himbergs“

Himbergs Bürgermeister Ernst Wendl (SPÖ) bescherte die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes einen „schönen Tag“. Er kämpfte samt Unterschriftenliste seit Jahren für die Umfahrung. Vor allem die Katastralgemeinde Pellendorf ist derzeit stark vom Durchzugsverkehr und einem hohen Anteil an Schwerverkehr betroffen. Derzeit fahren dort bis zu 13.000 Fahrzeuge pro Tag. Wendl erhofft sich auch eine „Aufwertung Himbergs“, weil mit der Umfahrung auch der Durchzugsverkehr in der gesamten Gemeinde sinken würde.

Auch ÖVP-Gemeindeparteiobfrau Claudia Hofbauer, selbst Pellendorferin, ist begeistert. Sie wisse von „etlichen Leuten, die wegen der Verkehrsbelastung von Pellendorf wegziehen wollten“. Wenn sie derzeit selbst mit Kinderwagen und Hund unterwegs ist, sei das „manchmal schon lebensgefährlich“.

Bürgermeister Wendl ist zuversichtlich, dass die Umfahrung „schätzungsweise in drei Jahren“ eröffnet werden kann. Aufgrund „beschleunigter Verfahren“ sei eine Abtretung von Grundstücken innerhalb einer Jahresfrist durchsetzbar, ist er überzeugt. „Man muss diese Entscheidung in einer Demokratie zur Kenntnis nehmen“, lautet seine Nachricht an die Grundstückseigentümer, die bis zuletzt gegen die Umfahrung kämpften. Eine davon ist Karin Karpf, ihre Reaktion gegenüber der NÖN fiel knapp aus: „Ich habe das Urteil zur Kenntnis genommen.“