"Turnaround“: Pionierarbeit in Raffinerie. Bei Generalinspektion kommt eigens entwickeltes Fortschrittskontroll-Tool zum Einsatz.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 30. März 2017 (05:11)
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Auf der Waschanlage mitten am Raffineriegelände wird von Mitte April bis Anfang Juni viel zu tun sein.
Burggraf

Unscheinbar und mitten am Gelände der Raffinerie versteckt stehen ein paar graue Container. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um die Zentrale des bevorstehenden „Turnarounds“. Beim zweiten Teil der Generalinspektion wird der petrochemische Anlagenteil unter die Lupe genommen.

Im Vorjahr wurde der Bereich der Treibstoffproduktion inspiziert. „Aufgrund des enormen logistischen Aufwandes des ‚Turnarounds‘ haben wir ihn gesplittet“, erläutert Stefan Hölbfer, Leiter der Abteilung „Turnaround Management“ bei der OMV.

Die „Turnaround“-Chefs Stefan Krebich und Stefan Hölbfer präsentieren das neue technische Tool für die logistische Abwicklung der Generalinspektion. Gesteuert wird es über einen Chip im Helm der leitenden Arbeiter.
OMV

Die Generalinspektion des petrochemischen Teils, in dem Vorprodukte zur Kunststofferzeugung hergestellt werden, startet Anfang April mit dem Herunterfahren der Anlagen. Die Hauptarbeiten werden dann Mitte des Monats starten und voraussichtlich bis Anfang Juni dauern. Bis die Anlage wieder vollständig hochgefahren ist, wird es noch einmal zwei bis drei Wochen dauern. Danach hat die OMV dann wieder fünf beziehungsweise sechs Jahre Zeit, bis der nächste „Turnaround“ ansteht.

"Koordination ist alles"

Doch nun steht erst einmal die aktuelle Abwicklung auf dem Programm. So werden rund 3.500 zusätzliche Fachkräfte von Partnerfirmen am Standort beschäftigt sein. Um diese Anzahl von Personen logistisch unter einen Hut zu bekommen, ist eine lange planerische Vorlaufzeit nötig. Bereits im Jahr 2015 machte sich daher das Team um den Schwechater „Turnaround“-Leiter Stefan Krebich Gedanken, wie man die Abläufe optimieren könnte. Die Arbeitsschritte sind im Grunde immer die gleichen. Der Anlagenteil, egal ob Kolonne, Wärmetauscher oder Armatur, muss geöffnet, auseinandergenommen, gereinigt und auf Reparaturbedarf geprüft werden.

Diese Schritte macht aber bei einem „Turnaround“ nicht nur eine Person eines Gewerks, sondern mehrere Partnerfirmen. Daher ist Koordination alles. Aus diesem Grund haben sich Krebich & Co daran gesetzt, ein digitales System zur überschaubaren und leichter dokumentierbaren Abwicklung zu konstruieren. „In der Vergangenheit wurden die Wände der Containerzentrale vollständig mit Fortschrittsplänen aus Papier tapeziert. Teilweise mussten wir Zwischenwände einziehen“, erinnert sich Krebich. Damit ist nun aber Schluss.

"Konzept und Design kommen von uns"

Stattdessen stehen nämlich drei große Monitore in den Containern. Diese enthalten sämtliche To Do‘s, die im Rahmen des „Turnarounds“ erledigt werden müssen. Sobald diese abgeschlossen sind, hakt der leitende Arbeiter der Fachfirma den Punkt auf dem Bildschirm ab. Das jeweilige Profil wird über einen Chip im Sicherheitshelm gesteuert. Fachkräfte, die außerhalb der Raffinerie zu tun haben, können das „Abhaken“ per App auf dem I-Pad, das die OMV für die Zeit zur Verfügung stellt, vornehmen. Insgesamt werden rund 250 Personen auf die digitale Fortschrittskontrolle zugreifen.

Das Besondere des neuen Systems ist nicht zuletzt, dass es komplett im Haus entwickelt wurde. „Konzept und Design kommen von uns. Wir haben hier Pionierarbeit geleistet“, ist Krebich sichtlich stolz. Technisch umgesetzt hat es „Global Solution“, eine 100-Prozent-Tochter der OMV. Der „Turnaround“-Chef erwartet sich durch das neue Tool eine qualitative Verbesserung. Denn durch die deutlich verbesserte Übersicht, können Arbeitsschritte leichter überwacht werden. Und auch im Fall von Nachjustierungen, etwa einer notwendigen Reinigungswiederholung, kann schneller reagiert werden.