Rettungsversuch für Hausapotheke. Arzt hätte bei Umzug Medikamentenverkauf verloren. Gemeinde sammelte fast 950 Unterstützungserklärungen.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 08. Februar 2017 (04:39)
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Parlamentsdirektor Harald Dossi (3.v.r.) nahm die rund 950 Unterschriften zur Erhaltung der Hausapotheke für den Arzt in Margarethen von Roland Floh (Pro Margarethen), Vizebürgermeister Werner Herbert (FP), Helmut Tomek und Michael Grill (beide SP) sowie Bürgermeister Markus Plöchl (VP) entgegen.
Gerald Burggraf

Das erst im Juni des vergangenen Jahres verabschiedete Apothekergesetz sorgte in Margarethen für viel Aufsehen. Denn ein darin enthaltener Passus schreibt vor, dass Arztpraxen mit Hausapotheke mindestens sechs Kilometer von der nächsten Apotheke entfernt sein müssen. Das gilt auch im Fall eines Ordinationswechsels.

Ursprünglich hätte der Medizinier Peter Parizek mit Jahreswechsel ins Erdgeschoß des neuen Wohngebäudes hinter der „Margarethner Stubn“ umziehen sollen. Doch die neue Ordi wäre dann nur 5,8 Kilometer zur Apotheke in Enzersdorf entfernt gewesen. Parizek hätte also seine Hausapotheke verloren. Ohne sie sei laut dem praktischen Arzt ein wirtschaftliches Arbeiten aber nicht möglich.

Daher sah er von dem Standortwechsel ab. Er ordiniert weiterhin in der alten Praxis an der Hauptstraße, auch wenn diese nicht barrierefrei zugänglich ist. Ob es diese jemals barrierefrei wird, steht allerdings in den Sternen. „Ein barrierefreier Zugang ist hier nur schwer möglich“, betont VP-Bürgermeister Markus Plöchl und verweist auf die hohen Umbaukosten. Man sei in Gesprächen mit Parizek.

 "Wir sprechen bei den 948 Unterschriften immerhin von einem Drittel der Gemeindebevölkerung.“Vizebürgermeister und Bundesrat Werner Herbert (FP) 

Dieser betont, dass er sich in Margarethen wohlfühle und nicht vorhabe, den Ort zu verlassen. Er hoffe daher, dass die Gemeinde seinen Ende Juni auslaufenden Mietvertrag verlängere. In Sachen fehlender Barrierefreiheit behilft sich der Arzt mit Hausbesuchen. „Das betrifft sowieso nur eine Handvoll meiner Patienten“, so Parizek.

Sehr erfreut zeigt er sich über eine von Pro Margarethen und den übrigen politischen Fraktionen initiierte Bürgerpetition. Diese hat eine Änderung des Apothekergesetzes zum Ziel. Im Rahmen der Petition kamen insgesamt 948 Unterstützungserklärungen zustande. „Wir sprechen hier von einem Drittel der Gemeindebevölkerung“, ist Vizebürgermeister und Bundesrat Werner Herbert (FP) zufrieden. Über 90 Prozent der Unterschriften wären zudem von Personen aus Enzersdorf und Margarethen, ergänzt VP-Bürgermeister Markus Plöchl.

Die umfassende Liste wurde nun vergangene Woche Dienstag Parlamentsdirektor Harald Dossi übergeben. „Damit haben wir alles gemacht, was uns möglich war“, so Herbert. Ursprünglich wollte man mit der Petition die Regierung direkt beschäftigten, doch ein Formalfehler (das Geburtsdatum der Unterzeichner fehlte) machte einen Plan B notwendig.

Daher bringt nun Herbert in seiner Funktion als Bundesrat die Petition im zuständigen Ausschuss im März oder April ein. Er rechnet auch damit, dass ihr zugestimmt wird und so die Regierung angehalten wird, das Gesetz zu ändern. Ob sie es auch tut, „darauf haben wir dann keinen Einfluss mehr“, so Herbert (mehr dazu auf Seite 4).

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