73-Jähriger wurde zum Brandstifter. Um schneller in ein betreutes Wohnheim zu kommen, zündete Rentner seine Haushälfte an.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 30. Mai 2019 (04:42)
FF Maria Lanzendorf
Das Feuer brach in den frühen Morgenstunden aus und beschäftigte die Feuerwehren knapp elf Stunden.

„Ich dachte, es geht schneller, in ein betreutes Wohnheim zu kommen, wenn ich obdachlos bin“, erklärte ein 73-jähriger Pensionist einem Schöffensenat in Korneuburg, warum er am 4. Dezember des Vorjahres an mehreren Stellen im Haus in Maria Lanzendorf angesammelten Unrat angezündet hat.

Es entstand ein Vollbrand, den sieben Feuerwehren mehrere Stunden bekämpfen mussten. Er habe die triste Situation – krank, andauernde Schmerzen, getrennt von seiner Ehefrau, das gemeinsam aufgebaute Haus in einem desolaten, vermüllten Zustand – nicht mehr ausgehalten. Es tue ihm leid, beteuerte der Rentner, aber er habe damals von Schmerztabletten benebelt, ein abgebranntes Haus als einzige Möglichkeit gesehen, um schneller in einem Heim oder in einem Krankenhaus aufgenommen zu werden.

Der 73-Jährige, der von einem psychiatrischen Sachverständigen zum Tatzeitpunkt für zurechnungsfähig befunden wurde, seufzte schwer und schilderte seinen damaligen Gemütszustand: „Irgendwann ist man an einem Punkt, wo man denkt, es ist alles so schwer.“

Der bislang unbescholtene und geständige Pensionist wurde der Brandstiftung für schuldig befunden und zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.