Erneut herbe Kritik an Pflegezentrum. Angehörige in Sorge / Angebliche Hygiene-Missstände sorgen für neuen Ärger. Geschäftsführer weist Vorwürfe entschieden zurück.

Erstellt am 30. Juli 2014 (10:43)
NOEN, privat
Der Nagelpilz der Patientin sorgt unter anderem für Kritik.
Das Pflegezentrum Maria Lanzendorf ist erneut ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Nachdem erst vor wenigen Monaten ein Wundmanager schwere Vorwürfe gegen das Zentrum erhob (die NÖN berichtete), meldeten sich vergangene Woche besorgte Angehörige einer Patientin. Sie sprechen von schweren Missständen, was die Hygiene betrifft.

„Gleich nach der Aufnahme wurde meine Tante in den Rollstuhl gesetzt. Sie konnte zu dem Zeitpunkt zwar nur noch schwer gehen, aber sie konnte es noch. Es findet keinerlei Mobilisierung statt. Auch die Sehnen sind auf einer Hand bereits verkürzt, sodass sie sie nicht mehr abbiegen kann. So etwas würde nicht passieren, wenn man ihr zum Beispiel ab und zu einen Stressball geben würde“, berichtet eine Angehörige, die auch als Sachwalterin der betroffenen Patientin agiert.

„Wir prüfen momentan die Unterlagen“

Doch damit nicht genug: „Weiters wurden ihr Windeln verpasst, obwohl sie noch alles im Griff hat. Oft sitzt meine Tante stundenlang in ihren eigenen Fäkalien. Sie wird nur einmal in der Woche geduscht und nur einmal am Tag gewickelt.“ Im Zimmer stinke es außerdem nach Urin. Neuerdings sollte ein Duftstecker davon ablenken.

Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich die Entdeckung, dass die Patientin an Händen und Füßen unter Nagelpilz leidet: „Auf Nachfrage beim Pfleger höre ich, dass ich selbst schuld bin, da ich ihr die Nägel lackiere.“ Infolge der Differenzen wurde bereits eine Anzeige erstattet und auch der Patientenanwalt ist eingeschaltet. „Wir prüfen momentan die Unterlagen, die wir vom Pflegezentrum erhalten haben. Die örtliche Pflegeaufsicht wird sich außerdem vor Ort ein Bild machen“, so Gerald Bachinger, Leiter der Patientenanwaltschaft.

„Jedes Detail ist abgestimmt“

Cornel Binder-Krieglstein, Geschäftsführer des Pflegezentrums, hält die Vorwürfe für haltlos. Er stellt klar: „Jedes Detail ist bei uns mit einer speziellen, individuellen Pflegeplanung abgestimmt und wird genauestens dokumentiert. Weiters unterliegen wir mehreren Kontrollen, sowohl intern als auch vom Land NÖ.“ Zum Vorwurf, dass Windeln gar nicht notwendig seien, kontert er: „Die Inkontinenzbehandlung ist ärztlich angeordnet. Es ist ausgeschlossen, dass jemand eine Versorgung bekommt, die er gar nicht benötigt.“

Zum Thema mangelnde Mobilisierung verweist er auf die zahlreichen Zusatzleistungen, die das Pflegezentrum anbietet: „Es gibt Physiotherapie, Ergotherapie und vieles mehr. Bei Bedarf werden die Kosten auch von der Krankenkasse übernommen.“ Von mangelnder Hygiene will der Geschäftsführer ebenfalls nichts wissen. „Das Bewohnerinteresse steht bei uns an erster Stelle. Wir respektieren den Wunsch, wenn der Bewohner nur einmal pro Woche gebadet werden will und es pflegerisch vertretbar ist. Und zum Nagelpilz: Wenn die Nägel lackiert sind, erkennt man diesen erst später.

Trotzdem wird der Wunsch nach Nagellack respektiert“, betont er. Viele hätten keine Vorstellung von den unzähligen täglichen Prozessen im Pflegezentrum. Um Konflikten vorzubeugen, sollen Angehörigen-Infoabende intensiviert werden. Damit solle jeder noch intensiver in den Betreuungsprozess eingebunden werden.