Riesige Lok-Werkstatt startet Betrieb in Gramatneusiedl

Erstellt am 20. Mai 2022 | 16:40
Lesezeit: 4 Min
Nach 14 Monaten Bauzeit eröffnete die ÖBB gemeinsam mit ihren Partnerfirmen ELL und LTE eine Wartungshalle für Güter-Loks.
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In den Gramatneusiedler Bahnhof wird seit Jahren investiert, im August steht ein Großumbau an: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wollen bis 2024 um rund 80 Millionen Euro den Bahnhof ausbauen, um den Personen- und Güterverkehr reibungsloser zu gestalten. Vor dem millionenschweren Bauvorhaben wurde aber noch ein anderes Großprojekt binnen 14 Monaten Bauzeit umgesetzt: Eine riesige Wartungshalle für Lokomotiven um rund zehn Millionen Euro.

Im Großraum Wien sind die Wartungskapazitäten für Güter-Lokomotiven knapp bemessen, deshalb stellt die Errichtung der Halle in Gramatneusiedl einen notwendigen Ausbau der Service-Kapazitäten dar. „In Gramatneusiedl werden schnelle Services durchgeführt, die unseren Kunden eine rasche Weiterfahrt ermöglichen soll“, erklärt Sandra Gott-Karlbauer, Geschäftsführerin der ÖBB Technischen Services.

Alle 30.000 Kilometer ist es für eine Lokomotive notwendig, eine Service-Wartung durchzuführen, vergleichbar mit einem Pkw. „Die neue Halle wird deshalb das Service-Netzwerk nachhaltig ausbauen“, fügt Gott-Karlbauer hinzu. Unter den durchgeführten Services fallen etwa die Wartung der Schleifleisten und der Flüssigkeits- und Filtertausch.

Betrieben wird die Halle neben der ÖBB von „Logistics & Transport Europe“ (LTE) und „European Locomotive Leasing“ (ELL), die sich gemeinsam zu einem Joint Venture mit dem Namen „Locmasta“ zusammengeschlossen haben. In Zukunft sollen Lokomotiven verschiedener Unternehmen aus insgesamt 19 Ländern gewartet werden, die auf der Durchfahrt durch Europa ein Service benötigen. „Der ausgewählte Standort ist ein Knotenpunkt des europäischen Güterverkehrs. Dementsprechend wird die Halle auch intensiv genutzt werden“, ist ELL-Geschäftsführer Christoph Katzensteiner überzeugt.

Der einzige Wehrmutstropfen: Derzeit lassen sich nicht genug notwendige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden. Das sei dem allgemeinen Fachkräftemangel in Österreich geschuldet, erklärt LTE-Geschäftsführer Andreas Mandl: „Wir suchen intensiv nach Personen, die in der Halle arbeiten können. Es gibt aber schlichtweg zu wenig Fachkräfte.“

Mit dem Start des Betriebs sind aktuell 14 Personen beschäftigt, die Personenzahl soll im Laufe der Zeit auf rund 36 anwachsen. Froh über die neu geschaffenen Arbeitsplätze ist jedenfalls Gramatneusiedls Bürgermeister Thomas Schwab (SPÖ), Jobs im Heimatort seien ohnehin eine Rarität: „Jeder Zuzug eines großen Unternehmens ist ein Gewinn für die Bevölkerung und die Gemeinde.“ Zudem kann die Kommune mit erhöhten Einkünften rechnen, denn durch die Einnahme von Kommunalabgaben fließt auch mehr Geld in die Gemeindekassa.

Von außen recht unscheinbar, lassen sich die Dimensionen der Werkstätte erst in der Halle selbst erkennen: Die Arbeitsfläche misst rund 1.200 Quadratmeter, besitzt einen Hallenkran und zwei Dacharbeitsbühnen. Zwei Gleise führen in die Werkstätte und besitzen Arbeitsgruben, in denen die Facharbeiterinnen und Facharbeiter auch unter der Lok arbeiten können. Mit einer Hebeanlage können sogar Lokomotiven angehoben werden, die rund 100 Tonnen auf die Waage bringen. Zusätzlich verfügt das Gebäude über diverse Schulungs- und Meetingräume. In Zukunft sollen auch Personen am Standort weitergebildet werden.

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