Stadt schließt sich Verfahren an. Hallen-Gesellschaft tritt als Privatklägerin bei Klimaanlage-Causa gegen Franz Kucharowits und Roland Regnemer auf.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 22. November 2018 (04:52)
Burggraf, Bearbeitung: Baumgartner

SCHWECHAT | Unstimmigkeiten rund um die Errichtung und den anfänglichen Betrieb des Multiversums sind seit Jahren Gegenstand von Ermittlungen seitens der Justiz. Eines der zu durchleutenden Themen ist der Verkauf der Klimaanlage an Wien Energie, die postwendend zurückgemietet wurde.

Diese Transaktion ging unmittelbar nach dem Betriebsstart der Veranstaltungshalle über die Bühne. Allerdings ist rechtlich unklar, ob die damaligen Geschäftsführer Franz Kucharowits und Roland Regnemer überhaupt berechtigt waren, die Anlage zu veräußern.
Strittig ist nämlich, ob die Klimaanlage zum Zeitpunkt des Verkaufs im Besitz der Leasinggesellschaft „VB Real Estate Leasing Herkules“ der Volksbank war oder schon der Eventhalle gehörte. Die „Herkues“ ist mittlerweile in der Multiversum-Eigentumsgesellschaft (MVE) aufgegangen. Sollte es in dieser Causa zu einem Strafverfahren kommen, will sich die Stadtgemeinde über die MVE als Privatklägerin daran beteiligen. Der dafür notwendige Beschluss im Gemeinderat fiel einstimmig.

„Siehe da, es funktioniert ja doch“, merkte FP-Stadtrat Helmut Jakl mit einem sarkastischen Unterton an. Er spielte dabei auf den von seiner Parteikollegin Andrea Kaiser im August eingebrachten Dringlichkeitsantrag an, der genau das gefordert habe. Nachdem die Stadtführung um SP-Bürgermeisterin Karin Baier anfangs ablehnend bis zurückhaltend reagierte, drohte Kaiser sogar mit einer eigenen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft (die NÖN berichtete).

Mögliche strafrechtlich relevante Vorgänge werden derzeit bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft und der Staatsanwaltschaft Korneuburg untersucht. Beide Justizstellen bestätigen gegenüber der NÖN Erhebungen in der Kälteanlagen-Causa als Teil der Gesamtermittlungen. Bei den Ermittlungen in Korneuburg geht es letztlich um Untreuevorwürfe zulasten der Stadtgemeinde. Sollte es dort zu einem Strafverfahren kommen, ist eine Beteiligung der MVE möglich. „Das Verfahren läuft noch“, erklärt dazu Sprecher Friedrich Köhl.

Bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft geht man dem Verdacht der Untreue gegen zwölf Personen zulasten von Bundeseinrichtungen wie dem Sportministerium nach. „Die Ermittlungen sind weitgehend abgeschlossen“, erklärt Sprecherin Silvia Thaller. Ob es zur Anklage, Einstellung oder Teileinstellung kommt, entscheidet letztlich aber die Ober-Staatsanwaltschaft.