Intendant Gruber: „Leute sind mir ans Herz gewachsen“

Erstellt am 10. August 2022 | 04:44
Lesezeit: 4 Min
440_0008_8435587_gre32gb_swe_nestroy_gruber_bauer_c_burg.jpg
Sitzen von nun an in erster Linie als Gäste im Hof der Rothmühle: Peter Gruber und Christine Bauer.
Foto: Burggraf
Für Mastermind Peter Gruber (75) und Organisationschefin Christine Bauer (74) ist das Nestroy-Kapitel (fast) zu Ende.
Werbung

Ohne sie gebe es keine Nestroy-Spiele. Intendant und Regisseur Peter Gruber ist seit 50 Jahren dabei und der Mastermind dahinter. Etwa zehn Jahre später, im Jahr 1986, holte er Christine Bauer an Bord, die seither die Kaufmännische Leitung innehat.

Nun zieht sich das Duo zurück und übergibt an jüngere Hände (siehe Artikel Seite 13). Im Abschiedsinterview mit der NÖN geben sie Einblicke in ihre Gefühlswelt und über ...

... ihre ersten Gedanken nach der letzten Aufführung am Freitagabend.

Peter Gruber: Ehrlich gesagt keine, ich habe nie zurückgeschaut. Nur ein wenig beim 40-Jahr-Jubiläum und jetzt zum 50er mit dem Fest. Vielmehr war es Erleichterung, 50 tolle Jahre geschafft zu haben. Alles ist gut gegangen und es war ein schöner Abschluss für mich.

Christine Bauer: Es ist noch kein richtiger Abschied, sondern eher ein Beiseitetreten. Den organisatorischen Bereich kann man nicht wie den künstlerischen ad hoc übergeben, daher bleibe ich nächstes Jahr noch in manchen Bereichen dabei.

... den prägendsten Moment ihrer Nestroy-Laufbahn.

Gruber: Den einen Moment gibt es nicht. Es sind viele einzelne Punkte, wie die erste Bearbeitung eines Couplets. Die Entwicklung war schleichend, wichtig war mir immer, dass die Stücke für das Ensemble gut zu spielen sind und nicht überfordern. Ich habe das alles ja für meine Leute gemacht.

Bauer: Am prägendsten war sicher die spezifische Zusammensetzung des Ensembles aus Laien, Schauspielschülern und letztlich Profis. Die Arbeit unter diesen Bedingungen würde im Profitheater so nie akzeptiert, aber bei den Nestroy-Spielen funktioniert es. Das zeigt auch, dass Kurt Sobotka (Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt, 2017, Anm.) sein 50-jähriges Bühnenjubiläum im Jahr 1999 unbedingt bei uns feiern wollte. Das sagt schon viel aus, er war auch der erste Profi.

... das was sie am meisten vermissen werden.

Gruber: Das Ensemble. Die Leute sind mir ans Herz gewachsen. Für viele ist es ein Familienersatz und hat damit eine soziale Funktion. Ich habe die Nestroy-Spiele immer sehr ernst genommen, auch wenn sie als Nebenbeschäftigung begonnen haben und auch als solche geplant waren. Ich hatte eigentlich genug zu tun, doch jedes Jahr habe ich mir gedacht, dass es mir gefallen hat und ich weitermache. Besonders schwierig war das als ich in Deutschland und der Schweiz engagiert war. Einmal habe ich es so beschrieben: Die Nestroy-Spiele sind wie ein Hund, der mir zugelaufen ist, den ich zwar nicht wollte, ihn aber liebe und nicht wieder hergebe.

Bauer: Der Hof, das Ambiente der Rothmühle und natürlich das „seltsame“ Ensemble aus unterschiedlichsten Menschen.

... ihre Pläne für die Post- Nestroy-Ära.

Gruber: Ich bin ja eigentlich schon seit zwölf Jahren in Pension. An der Elfriede Ott-Schauspielakademie werde ich aber bleiben. Und wer weiß, wenn ein Angebot für eine Inszenierung kommt und es mir ein Herzenwunsch ist, dann mach ich es auch. Ich kann noch arbeiten, aber der 50er der Nestroy-Spiele war eine gute Gelegenheit auszusteigen, irgendwann muss der Hof übergeben werden. Ich werde aber sicher nächstes Jahr vorbeikommen.

Bauer: Keine Ahnung, was danach kommen wird. Dem Theater bleibe ich verbunden und als Gast werde ich sicher wiederkommen. So schnell wird mich Schwechat nicht los (lacht).

Werbung