Himberger Braugerste für die Brauerei Schwechat. Brauerei Schwechat bezieht heuer erstmals Gerste von Gutenhof und Katharinenhof – diese werden von Dreher-Nachkommen bewirtschaftet.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 23. Juni 2021 (04:55)
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Braumeister Andreas Urban, „Bierpapst“ Conrad Seidl, Brauunion-Vorstand Gabriela Straka sowie Gutenhof-Chef und Dreher-Ururur-Enkel Jan-Anton Wünschek stoßen auf die künfitge Zusammenarbeit an – natürlich mit einem „Wiener Lager“.
Gerald Burggraf, Gerald Burggraf

Die Familie Dreher und die Schwechater Brauerei sind untrennbar miteinander verbunden. Allerdings vorwiegend im historischen Sinn. Deren Braumeister-Dynastie nahm bereits 1796 mit Franz Anton Dreher ihren Anfang und endete erst 1925 mit dem Tod von Anton Eugen Dreher.

Mittlerweile ist die Schwechater Brauerei Teil der Brauunion Österreich. Dort wurde im Büro von Chef-Rohstoffeinkäufer Johann Jäger am Hauptsitz in Linz vor gut zwei Jahren eine Idee mit Symbolcharakter geboren. Brauerei und die Familie Dreher sollten wieder enger zusammenrücken. Allerdings nicht bei den Eigentumsverhältnissen, sondern in der ureigensten Form eines Bieres – bei den Rohstoffen.

1.000 Tonnen Braugerste auf 200 Hektar

Anton Dreher der Jüngere war es, der die Gutsbetriebe Gutenhof und Katharinenhof kaufte, um auf den zugehörigen Feldern Braugerste anzubauen. Mit der nun geschlossenen Vereinbarung wird ab der heurigen Ernte wieder Braugerste aus Himberg und Mannswörth in Schwechat verarbeitet – beziehungsweise nach dem Vermalzen in der Malzfabrik Stadlau in Wien-Donaustadt.

Die vertraglich vereinbarten etwa 1.000 Tonnen an Braugerste werden auf insgesamt 200 Hektar angebaut, wobei der Gutenhof mit 135 Hektar den Großteil des Ertrags erbringt. „Wir bewirtschaften am Gutenhof insgesamt Felder in konventioneller Landwirtschaft im Ausmaß von rund 600 Hektar“, erzählt Jan-Anton Wünschek, Gutshofchef und Ururur-Enkel Drehers, im NÖN-Gespräch.

Gerste in erster Linie für „Wiener Lager“

Angebaut wird die „robustere und gegenüber Trockenheit weniger empfindliche Wintergerste“, weißt Schwechats Braumeister Andreas Urban. Eigentlich ist die Sommergerste die klassische Braugerste, doch deren Winterschwester hat mittlerweile die gleichen Brauqualitäten.

Abgesehen von der historischen Komponente, spielt natürlich auch die damit verbundene Regionalität der Rohstoffe eine große Rolle. Das Getreide wird in Schwechat in erster Linie für das Brauen des „Wiener Lagers“ verwendet. Dieses Lagerbier ist jenem nahezu originalgetreu nachempfunden, dass Anton Dreher der Ältere 1841 „erfand“. Dreher revolutionierte die Bierwelt mit dem ersten hellen untergärigen Gerstensaft.

Allerdings reichen die rund 1.000 Tonnen an Braugerste von Gutenhof und Katharinenhof nicht annähernd für den Bedarf in der Brauerei. Insgesamt werden in Schwechat für alle drei Sorten (Schwechater, Zwickl und Wiener Lager) 13.500 Tonnen an Gerstenmalz pro Jahr verarbeitet.