Erstellt am 17. März 2015, 15:38

von Gerald Burggraf

Fix: Götzendorfer Trasse vom Tisch. Bundesbahn verfolgt bereits genehmigtes Projekt nicht mehr. Stattdessen soll Flughafen mit Bruck verbunden werden.

Wird es in 20 Jahren eine Direktverbindung vom Flughafen zum Bahnhof Bruck geben? Laut ÖBB wird an dieser Variante gearbeitet.  |  NOEN, Müller

Als „Genehmigung auf Vorrat“ bezeichneten die Anrainergemeinden des ÖBB-Projekts „Spange Götzendorf“ die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts im Dezember. Dabei wurden sämtliche Einsprüche im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) abgewiesen und das Projekt bekam nun auch offiziell grünes Licht.

Erst vor wenigen Wochen rückte ÖVP-Nationalrat und Ex-Umweltminister Nikolaus Berlakovich das Thema „Spange Götzendorf“ wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Er wolle eine parlamentarische Anfrage an den Infrastrukturminister Alois Stöger (SPÖ) stellen, wie denn der Projektstand sei. Aus seiner Sicht gehöre das Vorhaben schleunigst umgesetzt, auch um den burgenländischen Pendlern das Leben zu erleichtern. Seit Monaten liegt dem SP-Minister auch schon eine Anfrage der Anrainergemeinden zum Thema vor. Antwort gab es bisher aber keine, wie Enzersdorfs ÖVP-Bürgermeister Markus Plöchl der NÖN verrät. Doch hinter den Kulissen dürfte sich in den vergangenen zwei Monaten einiges getan haben.

Überraschung für alle Beteiligten

Denn auf NÖN-Anfrage lässt ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif mit dem Status quo des Bahnprojekts aufhorchen: „Die Götzendorfer Spange selbst steht nicht mehr im Fokus der Überlegungen.“ Sie sei als schnelle Ost-West-Anbindung des Flughafens durch ihre Nord-Süd-Ausrichtung nicht geeignet und daher im März 2012 auch von der Bundesregierung aus Budgetgründen abgesagt worden. Bisher stand immer eine alternative Lösung über Marchegg im Raum, um Wien und Bratislava mit dem Flughafen Wien-Schwechat bahntechnisch zu verknüpfen. Doch davon ist mittlerweile auch keine Rede mehr. Denn Seif überrascht mit weiteren Details zum Thema: „Die ÖBB-Infrastruktur hat bereits mit dem Flughafen Wien die Gespräche über eine völlig neue Trasse östlich des Flughafens aufgenommen. Diese neue Trasse wird auch den Bahnknoten Bruck einbinden.“ Derzeit würden Daten abgeglichen und allfällige vertiefende Studien beauftragt. Nachdem wieder bei null angefangen werden muss, würde laut ÖBB eine Realisierung rund 20 Jahren dauern.

Für sämtliche Beteiligten an der Götzendorfer Spange ist dieser Vorstoß ein Schock. „Davon höre ich zum ersten Mal“, war die häufigste Antwort bei einer NÖN-Rundfrage. Skeptisch bleibt jedenfalls Enzersdorfs Ortschef Plöchl: „Wir glauben es erst, wenn wir es schwarz auf weiß hier liegen haben.“ Er habe sich jedoch sofort mit dem Büro von Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) in Verbindung gesetzt. Ziel der Anrainergemeinden ist es ja, die mit dem ÖBB-Projekt zusammenhängende Verlegung der B60 zu realisieren.

"Die Götzendorfer Spange selbst steht nicht mehr im Fokus der Überlegungen.“
ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif


Bisher hat dem Land NÖ immer eine klare Aussage der Bahn gefehlt, um die Umfahrungsstraße zu entkoppeln und eigenständig anzugehen. Eine rasche Umsetzung der Umfahrung liegt für Plöchl nun aber in greifbarer Nähe. Auch wenn Niederösterreichs oberster Verkehrsplaner, Friedrich Zibuschka, auf die Bremse tritt. „Wir stehen weiter auf dem Standpunkt von Dezember 2014. Und solange ich nichts anderes am Tisch habe, gilt das“, unterstreicht er im Gespräch mit der NÖN.

Bei der Verhandlung am Bundesverwaltungsgericht habe die ÖBB jedenfalls noch zum Projekt gestanden und wollte lediglich evaluieren. Für den Enzersdorfer ÖVP-Bürgermeister stand jedoch sowieso immer die Umfahrung im Mittelpunkt. „Der Bahntrasse trauern wir nicht nach“, lässt er wissen. Diese Haltung gilt jedoch nicht unbedingt für seine Amtskollegen.

"Die neue Trasse wäre ein schwerer Schlag für die Ortsumfahrungs-Bemühungen.“
Schwadorfs SP-Bürgermeister Jürgen Maschl

Denn sowohl Schwadorfs neuer Bürgermeister Jürgen Maschl als auch dessen Kleinneusiedler Pendant Leopold Winkler (beide SPÖ) zeigen sich über die neuen Pläne der ÖBB wenig begeistert. „Wenn diese neue Trasse wirklich die Spange Götzendorf ersetzt, wäre das ein schwerer Schlag für die Bemühungen Schwadorfs für eine Ortsumfahrung“, glaubt Maschl. Winkler ergänzt: „Mir ist diese Variante schon einmal zu Ohren gekommen, Pläne gibt es aber noch keine. Allerdings könnte ich mich damit nicht wirklich anfreunden.“ Skeptisch äußert sich auch Fischamends Stadtchef Thomas Ram. „Wichtig ist mir die Klarheit darüber, ob die Spange Götzendorf kommt oder nicht. Von einer Variante entlang der A4 habe ich gehört, allerdings würde diese auch unsere Lebensqualität berühren“, betont er.

Die von allen Seiten gewünschte Entkoppelung von Bahntrasse und Umfahrung hält Winkler für wenig realistisch. „Ich bin da pragmatisch“, erläuter er. Letztendlich gelte die im Vorjahr erfolgte UVP-Genehmigung für zehn Jahre, bis dahin darf auf den betroffenen Flächen nicht gebaut werden.