Pflegeheim unter Beschuss. Vorwürfe / Wundmanager prangert Missstände im Pflegezentrum Maria Lanzendorf an. Heim leitung dementiert: „Es gab noch nie Probleme“. Mehrere Anzeigen bei Staatsanwaltschaft.

Erstellt am 13. März 2014 (23:59)
Das Pflegezentrum steht nach dem Artikel einer Tageszeitung in der Kritik.
NOEN, Nestler
Von Nicole Nestler

In einem Bericht in der Tageszeitung „Österreich“ vergangene Woche wurden schwere Vorwürfe gegen das Pflegezentrum Maria Lanzendorf erhoben. Konkret ging es um einen Wundmanager, der bei einer bettlägrigen Patientin in den Weihnachtsfeiertagen eine Vakuumtherapie angeordnet hatte, die seiner Aussage nach dringend notwendig war, da die Wunden der Patientin so gravierend waren, dass sie sonst verstorben wäre.

„Ich wurde vom Sohn der Dame herangezogen und habe dann festgestellt, dass die derzeitige Wundbehandlung nicht sachgemäß ist und dementsprechend gehandelt. Es war Gefahr im Verzug, das bestätigte mir auch eine Juristin“, rechtfertigt der Wundmanager gegenüber der NÖN die Behandlung. Der Sachwalter der Patientin sei nicht erreichbar gewesen. „Bald darauf erfuhr ich, dass ich wegen Körperverletzung angezeigt wurde“, erklärt der Wundmanager und fügt hinzu: „Ich habe ebenfalls Anzeige erstattet gegen den Sachwalter und Personen des Pflegeheims, unter anderem wegen unterlassener Hilfeleistung und Verleumdung.“ Der Sohn der Patientin bestätigte die angeblichen Missstände im Pflegezentrum.

Heim bestreitet Vorwürfe heftig

Auf Anfrage der NÖN kam am Montag ein Dementi von Roland Schemel, geschäftsführender Gesellschafter des Pflegezentrums: „Wir werden regelmäßig von den Behörden überprüft. Es gab noch nie Probleme.“ Ebendiese hält der Sohn der Patientin, die sich mittlerweile in einem anderen Pflegeheim befindet, für nicht glaubhaft: „Da wird doch nur mit einem Auge hingeschaut.“

Den Artikel und auch die Anzeigen hält Roland Schemel für eine Retourkutsche aufgrund einer „persönlichen Kränkung“. „Eigentlich war es so: Das Vakuum-System wurde auf ärztliche Anordnung bei uns entfernt und dann entgegen der ärztlichen Anordnung vom Wundmanager wieder installiert. In Rücksprache mit dem Land haben wir uns dann zu der Anzeige entschlossen, da es einfach nicht geht, dass jemand in einen laufenden Prozess eingreift und sich über den Arzt hinwegsetzt“, so Schemel. Er ergänzt: „Die Bewohnerin hat das Haus nachweislich in einem besseren Gesundheitszustand (Wunden abgeheilt, Gewichtszunahme) verlassen, als dies bei der Aufnahme der Fall war“.
 

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NOEN, Nestler

Auch Geschäftsführer Cornel Binder-Krieglstein hält die Vorwürfe für haltlos und stellt klar: „Bei uns ist alles dokumentiert und jeder Schritt nachvollziehbar.“ Weiters hält er die Aussagen des Wundmanagers für eine „absolute Schmuddelkampagne“, auf die man nicht näher eingehen wolle.
Seitens der Staatsanwaltschaft Korneuburg bestätigt Sprecher Friedrich Köhl: „Es sind mehrere Anzeigen im Gange. Die Erste ging von der Pflegedienstleitung gegen den Wundmanager aus. Im Gegenzug hat dieser ebenfalls drei Anzeigen erstattet, deren Vorwürfe jedoch momentan noch Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens sind.“