Ein Trauermarsch für die Kunst in Schwechat. Ein großes Polizeiaufgebot begleitete am Samstagnachmittag circa 80 Freundinnen und Freunde der Kultur, welche "Die Kunst" im Sarg vom Theater Forum Schwechat bis zum Rathausplatz führten.

Von Brigitte Wimmer. Erstellt am 21. Februar 2021 (15:07)

Mit den Worten "Ab jetzt ist es eine Kundgebung" eröffnete  am Samstag eine Inspektorin der Landespolizei den vom Theater Forum Schwechat initiierten Trauermarsch für die Kunst.  Begleitet von böhmischer Trauermusik marschierten Künstler und Kunstbegeisterte mit dem "Kunst" Sarg von der Ehrenbrunngasse bis zum Rathausplatz. Daniel Truttmann (Kaufmännischer Direktor des Theater Forum) richtete die erste Protestrede an die Besucher: „Das künstlerische Schaffen, die Vermittlung von Kunst, sowie deren Lehre sind frei.“ Anscheinend, meinte der Theaterchef weiter,  würde dabei unter „frei“ nur umsonst verstanden! Am Welttag der Gerechtigkeit warnte er vor verstärktem Aufkommen von sozialer Ungerechtigkeit, dem ungerechten Verteilen der Mittel zur Krisenbewältigung, sowie vor der Spaltung der Gesellschaft. Anschließend bat Truttmann Staatssekretärin Andrea Mayer (verkörpert durch Aida Loos)  um ihre Trauerrede. Diese, nämlich Loos,  nahm sich in gewohnt kritischer Art, kein Blatt vor den Mund (nur eine Plexiglasscheibe, zwecks der "Schutzmaßnahmen"). 

"Für die, die mi ned kannan: Mein Name ist Andrea Mayer."

"i bin die Staatssekretärin für Kurz und Kurztur und die Nachfolgerin von Ulrike Lunacek", stellte sich die Kabarettistin vor. Loos blickte lächelnd ins Publikum und spielte mit den Worten: "Die Luna checkts ned, wos owa niemand ahnte, woar: Die Andrea machts endgültig Meier."  Mit scharfer Klinge  übte sie Kritik sowohl an Politik, als auch an  Möchtegern- Künstlern und beschrieb die finanziellen Mittel für KünstlerInnen in der Pandemie so: "Der versprochene Gödtopf woar in Wirklichkeit a Gödtropf, des erklärt a, warum das Göd so laungsam gflossen ist und das Schicksal der Kultur is oiso nichts ois a Rinnsal ."  (Diese Rede wird Loos auch in ihr neues Kabarettprogramm  einfließen lassen.)

Plötzlich klopfte es im Sarg der Kunst

"Lasst mich raus", schrie es aus dem Sarg und zum Vorschein kamen Theaterdirektorin Manuela Seidl und  das Mädchen Letitia von Ederen . Die beiden sehr kälteresistenten Schauspielerinnen symbolisierten "Die hohe Kunst und die Kleinkunst".  In  ihrer Brandrede meinte Seidl: "Ich, die Kunst, habe schon ganz andere Dinge überlebt und bin immer wieder wie der Phönix aus der Asche auferstanden. Den Wurschtl, meine Lieben, den kann keiner erschlogn!" 

Mit Konfetti und lustiger Musik traten die KünstlerInnen und TeilnehmerInnen der Kundgebung  nach Seidls Rede den Rückweg zum Theater an.