Bio-Mehl als Widerstandssymbol gegen dritte Piste. Landwirt Josef Kolber versucht mit Klimaaktivisten den Bau der dritten Piste zu verhindern.

Von Raimund Novak. Update am 15. Dezember 2020 (08:11)
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Eine klare Aufforderung. Dieses große Plakat der Protestbewegung ist auf der viel befahrenen B10 deutlich zu sehen.
privat

„Pflugfeld statt Flugfeld“ steht auf einem großen Plakat, das auf einem Stapel Heuballen neben der Bundesstraße B10 montiert wurde und jedem Pkw-Lenker sofort ins Auge sticht. Es handelt sich um eine Protestaktion, durchgeführt von einem Landwirt, Bürgerinitiativen und Klimaaktivisten.

Die Beteiligten wollen den Bau der dritten Piste verhindern. Sie werfen dem Flughafen vor, Felder von Bauern ohne entsprechender Entschädigung zu enteignen, um sie später zubetonieren zu können. Als Protestsymbol dient neuerdings das „3. Piste Mehl“, ein vom Rauchenwarther Landwirt Josef Kolber produziertes Bio-Mehl, das mittlerweile in mehreren kleinen Geschäften angeboten wird.

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Stolzer Bio-Bauer. In einer Mühle wird die Ernte von Josef Kolber in Handarbeit gemahlen und abgepackt. 
Jakob Havlicek

Kolber bewirtschaftet, wie es schon sein Urgroßvater tat, mehrere Ackerflächen. Weizen, Gerste, Roggen, Sojabohnen, Ölkürbis, Gewürzfenchel oder Zuckerrüben – die Liste des Anbausortiments ist lang. 50 Hektar sind in seinem Besitz. Sieben liegen ungünstig, denn sie sind am Plan des Flughafens dort eingezeichnet, wo die dritte Piste ihren Anfang hat. „Das sind meine besten Felder“, meint Kolber, der nun eben auf diesen Grundstücken das „3. Piste Mehl“ anbaut. Im Gespräch mit der NÖN spricht er von einer „übermächtigen Institution“, von der viele zurückschrecken. „Ich stehe im Kontakt mit anderen Landwirten, aber in den Ring steigen möchte dann doch keiner.“

Es gibt keinerlei Planungen zur Enteignung von Grundstücken. Wer das behauptet, betreibt nur plumpe Panikmache.“ Flughafensprecher Peter Kleemann

Kolber erhielt jedoch Rückendeckung von Susanne Laschober. Dank des Engagements der Gründerin der Bürgerinitiative Rauchenwarth und Sprecherin der Plattform „SOS Region Ost“, wurde ein Zusammenschluss mit Klimaaktivisten ermöglicht. Diese Protestbewegung lud kürzlich zu einer Videokonferenz ein, um das Projekt „Pflugfeld statt Flugfeld“ sowie das Bio-Mehl, als Synonym für die Aktion, vorzustellen.
„Dass es möglich ist, einem Landwirt einfach die Felder wegzunehmen macht mich sprachlos. Mir wird meine Lebensgrundlage genommen“, versuchte Kolber dem Publikum seine verzweifelte Lage zu schildern. Martin Tögel, Sprecher der Bürgerinitiative Liesing, stellte klar, dass bereits im Jahr 2012 ein Gesetz dementsprechend angepasst wurde, sodass Flughäfen, ähnlich wie die Eisenbahn, Grundstücke leichter enteignen können.

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Mit der dritten Piste würde der Flughafen näher an Rauchenwarth heranrücken und sogar eine Verlegung der B10 notwendig machen.
Flughafen Wien AG

Der Flughafen dementiert derartige Zwangsenteignungen. „Es gibt keinerlei Planungen zur Enteignung von Grundstücken. Wer das behauptet, betreibt nur plumpe Panikmache“, stellt Pressesprecher Peter Kleemann klar. Er weist darauf hin, dass bereits viele Flächen im Projektgebiet im Besitz sind. „Der Flughafen kann daher für Interessierte einen Grundstückstausch anbieten. Für die darüber hinaus benötigten Flächen wird sich der Flughafen zeitgerecht an die Anrainer wenden und Verhandlungen über einen Erwerb aufnehmen“, hät der Sprecher fest. Soweit wollen es die Gegner der dritten Piste aber erst gar nicht kommen lassen.

„Das Mehl soll viele Leute erreichen und bewirken, dass sich diese dem Widerstand anschließen“, betont unter anderem Veronika Weckl von der Klimagerechtigkeitsbewegung „System Change, not Climate Change“.