Autofahrer drohte mit Schreckschusspistole. „Vogelzeigen oder Stinkefinger ist man gewöhnt, aber nicht, dass einer beim Überholmanöver die Waffe zieht“, meint das Opfer.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 24. Mai 2018 (05:22)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Die Schreckschusspistole des 21-jährigen Autofahrers ist auf den ersten Blick von einer echten Waffe kaum zu unterscheiden.
Hahslinger

„Ich fuhr von Schwechat in Richtung Schwadorf. Als ich zum Überholen ansetzte, wurde das Auto vor mir schneller und ich habe mich wieder eingereiht“, schildert ein 61-Jähriger aus Ebergassing vor Gericht. Freimütig gibt er zu, dass er aus Ärger den Fahrzeuglenker angeblinkt und angehupt habe.

Er habe auch mit einem Konter wie Vogelzeigen oder Stinkefinger gerechnet, aber doch nicht damit, empört sich der Ebergassinger noch im Zeugenstand: „Als ich erneut überholte und auf gleicher Höhe mit ihm war, sah ich, dass er mir eine Kanone entgegenhält. Das geht ja gar nicht. Die Waffe sah täuschend echt aus.“ Er habe die Polizei alarmiert und das Autokennzeichen des Lenkers durchgegeben, erzählt der 61-Jährige.

"Damals kamen Sie mit einer Diversion davon. Heute nicht"

„Er ist mir an der Stoßstange geklebt und hat gedrängelt. Beim Überholen hat er wild gedeutet. Weil ich befürchtete, dass er mich ausbremsen will, habe ich ihm vorbeugend, um ihn davon abzuhalten, die Waffe gezeigt“, schildert der angeklagte Fischamender (21) eine andere Version und präsentiert sich als verschreckter Autofahrer, der in Panik überreagiert und deshalb zur Waffe gegriffen habe.

Der 21-Jährige verschweigt zunächst, dass er bereits einmal zur Waffe gegriffen und Schüsse abgegeben hat, um Personen einzuschüchtern, wie Ankläger Josef Mechtler den Akten entnimmt. „Damals kamen Sie mit einer Diversion davon. Heute nicht“, so der Richter.

Er verhängt über den Fischamender wegen gefährlicher Drohung drei Monate auf Bewährung. Nicht rechtskräftig.