Coronavirus: Fracht-Branche liegt auf Eis. Produktionsstopp in China und eingestellte Flüge nach China setzen den Logistikern aktuell zu.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 04. März 2020 (04:21)
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Frachtflieger wie jene von Korean Air sind derzeit heiß begehrt. Die Raten pro Kilogramm schießen aktuell in die Höhe.
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„Das erste Quartal 2020 kann man getrost abschreiben“, sagt Norbert Heuber. Der Enzersdorfer ist am Flughafen mit seiner Firma „Team Global Logistics“ tätig und weiß, wovon er spricht. Das Aufkommen des „Corona-Virus“ setzte der chinesischen Wirtschaft zu – Fabriken blieben geschlossen, der innerstaatliche Transport kam aufgrund des Fahrermangels durch die Quarantäne-Maßnahmen zum Erliegen.

Das hat wiederum direkte Auswirkungen auf die globale Ökonomie. Zu allererst spüren das die Logistikunternehmen. Und: „Der Zeitpunkt des Ausbruchs war denkbar schlecht“, weiß Heuber. Denn just rund um das chinesische Neujahr, wo ohnehin viele Fabriken zu sind, kam auch der neue Virus auf. In der Seefracht fahren bestimmte Containerschiffe verzögert oder gar nicht. Über den Lufttransportweg werden vor allem die Kapazitäten rar. Denn viele Fluglinien haben ihre Verbindungen nach China reduziert oder gar eingestellt – so fliegen Austrian Airlines (AUA) und deren deutscher Mutterkonzern Lufthansa bis Ende März nicht ins Reich der Mitte.

Je länger der Engpass bei Produktion und Transport dauert, desto größer sind die Auswirkungen.“ WKNÖ-Logistikobmann Rudolf Bsteh

Davon profitieren in erster Linie Airlines, bei denen reine Frachtflieger nach Schwechat zum Einsatz kommen. Die Flugzeuge von Korean Air, Asiana Airlines und Turkish Airlines sind ausgelastet. Die enorme Nachfrage lassen die Frachtraten pro Kilogramm dementsprechend in die Höhe schießen. So berichtet man beim Logistikkonzern „Gebrüder Weiss“ davon, dass sich „der Frachtraum um circa 70 Prozent reduziert“ hat. „Wenn die Zahl der Infizierten zurückgeht und die Produktion wieder anspringt, kommen wir vielleicht mit einem blauen Auge davon“, ist Rudolf Bsteh noch optimistisch.

Der Chef des Logistikers „Fracht FWO“ und Fachgruppenobmann „Spedition und Logistik“ in der Wirtschaftskammer Niederösterreich betont aber auch, dass derzeit niemand wirklich sagen kann, wie es weitergeht. „Je länger es dauert, desto größer sind die Auswirkungen“, hält er jedoch fest. Laut Norbert Heuber von „Team Global Logistics“ sei eine „langsame Besserung“ zu erkennen. Die Sendungen aus China würden mehr, von einer Erholung wäre man dennoch weit entfernt.

Erste Anzeichen für ein In-Gang-Kommen der Transportbranche in China nimmt man auch bei „Cargopartner“ wahr. Der Fischamender Logistiker beschäftigt in 15 Büros in China und Hongkong rund 400 Mitarbeiter. Infektionsfälle habe es bisher keine gegeben, erklärt Vorstandsvorsitzender Stefan Krauter auf NÖN-Anfrage. Man habe jedoch „höchste Sicherheitsvorkehrungen“ getroffen, so würden viele Angestellte von zu Hause aus arbeiten.

Die Einbußen alleine im Februar sind enorm – „mengenmäßig haben wir einen Ausfall von 70 Prozent zu verkraften“, erläutert der „Cargopartner“-Chef. Allerdings ist er optimistisch, dass man dies schon im ersten Quartal großteils ausgleichen wird können. „Der Bedarf nach Gütern und Halbfertigprodukten in Europa bleibt ja aufrecht“, erklärt Krauter. Bisher verlagerte man die Waren von der Luftfracht auf die Schiene und über die Transsibirische Route oder das Schiff.