Schwechat: Besuch in der Stadt am Land

Erstellt am 06. August 2022 | 05:16
Lesezeit: 3 Min
Vor 100 Jahren wurde Schwechat zur Stadt erhoben, für die Kirche ist das allerdings eine historische Fußnote. Denn bereits seit Jahrhunderten arbeiten hier Seelsorger.
Werbung

Werner Pirkner ist ein pragmatischer Seelsorger. Der 53-Jährige ist als Jugendlicher fest verwurzelt in der Marianischen Kongregation aufgewachsen. An einem heißen Sommertag führt er den „Sonntag“ durch den Pfarrhof von Schwechat. Seit sieben Jahren lebt der Seelsorger im Zentrum von Schwechat. Auf der Straße wird er gegrüßt, man kennt den legeren und freundlichen Priester.

Pirkner setzt in seiner Pfarre auf Beteiligung. Er will alle mitnehmen, oder anders formuliert, er schließt als Seelsorger niemanden aus, ihm sind die Menschen wichtig. So flattert vom Pfarrhof die bunte Regenbogenfahne als Symbol der Toleranz für verschiedene Lebensmodelle und -realitäten, während in der Kirche die barocken Meisterwerke des Kremser Schmidt von einem ganz anderen Verständnis der Kirche zeugen.

Soziales Bewusstsein und Selbstverständnis

Was die Schwechater seit Jahrzehnten auszeichnet, ist ihr soziales Bewusstsein und Selbstverständnis. Der Pfarrgarten hier im Zentrum der Stadt ist für Kinder geöffnet und es lebt eine Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine im Haus. Am Zirkelweg gibt es seit 40 Jahren ein mit viel Herzblut aufgebautes Sozialzentrum, das weit über die Grenzen von Schwechat bekannt ist. Ein weiteres Solidaritätsprojekt mit einem ganz anderen Hintergrund hat Rannersdorf (Teil des neuen Pfarrverbandes) umgesetzt: Die Kirchenbänke wurden als Hoffnungszeichen nach Syrien geschickt, ein Beitrag für den Wiederaufbau im zerstörten Land.

In der Seelsorge arbeitet Pirkner zusammen mit drei Priestern, zwei Pastoralassistentinnen, einigen Diakonen und zahlreichen Ehrenamtlichen. Und es kann im wahrsten Sinn des Wortes auch einiges wachsen. Hinter der Kirche steht ein Maulbeerbaum, dessen Früchte köstlich schmecken. Ein Mitarbeiter kümmert sich darum. „Auf der Blumenwiese blühen viele weitere Pflanzen, ein Beitrag zur Nachhaltigkeit“, wie der Pfarrer stolz betont.

Neuer Pfarrverband „Ala Nova“

Ganz neu, seit 5. Juni, gibt es hier außerdem den Pfarrverband „Ala Nova“ im Vikariat Unter dem Wienerwald – gebildet aus den vier Pfarren Mannswörth, Rannersdorf-Kledering, Schwechat und Zwölfaxing. Der klingende Name bedeutet so viel wie „neuer Flügel“. Kraft und Schutz sollen die Flügel vermitteln, so Pirkner. Das brauchen die Menschen und das braucht die Kirche hier in dem neuen Entwicklungsraum.

Die Gemeinden sind teilweise urban wie Schwechat oder sehr ländlich geprägt. Manche Kirchen stehen hier seit Jahrhunderten, andere wie jene in Zwölfaxing erst seit 1966. Von der Gesamtbevölkerung mit 25.000 Einwohnern im Entwicklungsraum sind rund 8.300 Mitglieder der katholischen Kirche. Der Zuzug ist groß, die wirtschaftliche Entwicklung im Aufschwung, die Nähe zu Wien attraktiv.

Einen virtuellen Rundgang gibt es unter www.dersonntag.at/alanova. Alle Infos unter www.pfarrengemeinschaft.at.

Werbung