Schadensbehebung: Aufarbeitung nach dem Hagel. Versicherungen und Fachfirmen sowie sämtliche Autowerkstätten arbeiten derzeit im Akkord.

Von Gerald Burggraf und Adalbert Mraz. Erstellt am 26. Juli 2017 (02:14)
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Die Hagelkörner vor gut zwei Woche kamen in Tennisballgröße auf die Erde geflogen.

Der Tornado während des heftigen Unwetters vor zweieinhalb Wochen sorgte österreichweit für Aufregung. Letztendlich fielen die Schäden durch den Wirbelsturm jedoch überschaubar aus. Einzig in der Landwirtschaft war man betroffen, am Katharinenhof nahe Schwechat wurde ein tonnenschwerer Strohblock um einige Meter versetzt und zerzaust.

Auch wenn der Tornado die öffentliche Diskussion beherrschte, weit folgenreicher stellte sich der massive Hagelniederschlag dar. Zahlreiche Dächer, Fassaden und vor allem Autos waren schwer in Mitleidenschaft gezogen. Das bestätigt auf NÖN-Nachfrage auch die Versicherungsbranche.

„Wir bearbeiten derzeit über 125 Fälle“, berichtet der Schwechater Versicherungsmakler Martin Wienerroither. Sämtliche Schadensfälle betreffen Personen aus Schwechat oder der näheren Umgebung wie Zwölfaxing oder Mannswörth. Die Aufarbeitung wird, je nach Schadenshöhe, noch dauern. Bei Schäden bis zu 1.000 Euro geht die Abwicklung relativ flott, für alles darüber braucht es eine gewisse Zeit für die Abwicklung. „Hier bedarf es einer Kostenschätzung und einer Besichtigung durch einen Sachverständigen“, so Wienerroither. Er geht davon aus, dass es „bis zu einem Monat“ dauern wird, bis die Fälle abgearbeitet sind. Zudem würden nach wie vor Meldungen hereinflattern.

Auch bei „Generali“ ist die Schadenserhebung noch im Gang. Daher könne man keine Zahlen nennen, heißt es auf Anfrage. Bei der Dauer für die Abwicklung bleibt man vage: „Die Generali ist bemüht, alle Schäden so rasch und einfach wie möglich zu erledigen.“ Der Versicherer hat jedoch die „Anzahl der Sachverständigen rund um Wien erhöht und kurzfristig eine zusätzliche Kfz-Hagelbesichtigungsstelle im 23. Wiener Gemeindebezirk eingerichtet“.

Stefan Obernberger
Bei einigen geparkten Pkw, wie hier in Mannswörth, gingen sogar die Heckscheiben zu Bruch.

Über zu wenig Arbeit können sich vor allem die Fachfirmen nicht beklagen. „Am meisten profitieren die Glaserei Angelmahr oder die Handwerksbetriebe Stiburek und Urani. Und natürlich die Autowerkstätten“, meint Experte Wienerroither. Die betroffenen Unternehmen würden am Limit arbeiten.

Bei Generali fällt der Großteil der Schadensmeldungen aus de Kfz-Kaskobereich an. Diese Aussage bestätigt auch ein Rundruf der NÖN bei Autohändlern. „In der Woche nach dem Hagelunwetter hatten wir 170 Reparaturen“, erzählt Roman Keglovits-Ackerer, Geschäftsführer im Autohaus Keglovits. Der überwiegende Anteil entfällt auf Spenglerarbeiten, wie das Ausbessern von Dellen.

Mithilfe von Partnerfirmen wurden sogar zusätzliche Spengler nach Zwölfaxing geholt, um die Masse an Aufträgen abarbeiten zu können. Das wird dennoch eine Weile dauern. „Beim letzten großen Hagelunwetter vor vier oder fünf Jahren schlossen wir die letzten Reparaturen vier Monate später ab“, so Keglovits-Ackerer.

Stadtgärtnerei: Alle Glashäuser beschädigt

„Lange beschäftigt“, werden auch die Mitarbeiter des Simmeringer Autohauses Eisner sein. „Alleine bei uns am Standort waren knapp 140 Fahrzeuge beschädigt“, berichtet Verkaufsleiter Jan Kitzler. Dabei handelte es sich sowohl um Neu- und Vorführwagen als auch Kundenautos. Der Hagel verursachte nicht nur Dellen in Autodächern und Motorhauben, sondern auch kaputte Front- und Heckscheiben oder sogar Scheinwerfer.

Die Folgen des Hagel-Unwetters sind sogar bis nach Hainburg zu spüren. Fiat Wenighofer-Chef Lukas Rehberger hat einigen Kunden, die an dem Tag in Schwechat waren und nun auf eine Reparatur ihres Autos warten. „Das Aufwändige ist, dass man auf die Sachverständigen der Versicherungen warten muss, bevor man mit der Reparatur beginnen kann.“

Neben Privatpersonen wurde auch die Stadtgemeinde Opfer der teils tennisballgroßen Hagelkörner. „In der Gärtnerei gab es bei allen drei Glashäuser schwere Schäden“, hält SP-Bürgermeisterin Karin Baier fest. An den Gemeindewohnhäusern und -gebäuden entstanden diverse Schäden. Die Bestandsaufnahme laufe aber noch, erklärt die Stadtchefin. Im Rathaus wurde zum Beispiel eine Plexiglaskuppel durchschlagen, ähnliches passierte über dem Lehrsaal beim Roten Kreuz. Hier wurde auch das Wellblechdach schwer in Mitleidenschaft gezogen, die Schäden sind, laut Sprecherin Daniela Angetter, mittlerweile aber provisorisch behoben.