Frau in Himberg getötet: Mordprozess gestartet. Am Landesgericht in Korneuburg hat am Donnerstag der Mordprozess gegen einen 57 Jahre alten Mann begonnen.

Von APA / NÖN.at. Update am 08. Oktober 2020 (12:13)
Symbolbild
APA/Herbert Pfarrhofer

Der Obdachlose soll in einem leer stehenden Abbruchhaus in Himberg (Bezirk Bruck a. d. Leitha) gelebt und dort 2015 seine Mitbewohnerin erstochen haben. Am Beginn der Geschworenenverhandlung legte der ungarische Staatsbürger ein Schuldbekenntnis ab. Schon 2016 war der Angeklagte wegen Mordes an seiner damaligen Partnerin zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Die skelettierte Leiche der Mitbewohnerin des Ungarn war am 29. Oktober 2018 bei Entrümpelungsarbeiten in dem Abbruchhaus entdeckt worden. Die Identität wurde laut Staatsanwaltschaft im Zuge eines anthropologischen Gutachtens eruiert. Es handelte sich um eine 38-jährige Slowakin. Als wahrscheinlichster Todeszeitraum wurde Winter 2014 bis Frühjahr 2015 angenommen.

Während eines Streits soll der Ungar der Frau mehrere wuchtige Stiche in den Oberkörper versetzt haben. Davor sei "reichlich Alkohol" konsumiert worden, hielt die Staatsanwältin in ihrem Eröffnungsvortrag fest. Mittelgradig berauscht, habe der Angeklagte das Opfer als "eingebildet und frech" empfunden und sich gestört gefühlt. Der in der Strafanstalt Stein einsitzende 57-Jährige teilte den Ermittlern im November des Vorjahres schließlich mit, die 38-Jährige getötet und mit Müllsäcken abgedeckt zu haben.

Bei der Tat will er nicht nur vom Alkoholeinfluss, sondern vor allem von einem Rachewunsch gesteuert gewesen sein. Die 38-Jährige soll mehrmals "drogensüchtige Bekannte in das Haus eingeladen haben", schilderte der ungarische Staatsbürger. Er und seine Partnerin, die damals ebenfalls mit ihm in dem Objekt gelebt hatte, seien dabei misshandelt worden. "Ich wollte Genugtuung, aber keinen Mord. Das hat sich dann so ergeben."

Seiner damaligen Lebensgefährtin habe er von der Bluttat erzählt, diese habe jedoch nichts dazu gesagt. Nach der Ablage der Leiche im Haus habe er gedacht, "dass man sie irgendwo verschwinden lassen könnte", etwa in der Sickergrube. Warum es dazu nicht kam, konnte der 57-Jährige nicht schlüssig begründen.

Einige Wochen nach der Tötung der 38-Jährigen erstach der Ungar seine Lebensgefährtin. Schauplatz der Bluttat war auch damals das Himberger Abbruchhaus. Am Landesgericht Korneuburg wurde der Mann dafür im April 2016 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die tödliche Attacke auf die Mitbewohnerin bei dieser Gelegenheit ebenfalls zu beichten, sei ihm "nicht in den Sinn gekommen", gab der Angeklagte zu Protokoll.

Auch in seiner ungarischen Heimat ist der Beschuldigte in juristischer Hinsicht alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Er hatte dort 1997 seine damalige Partnerin erstochen und eine zehnjährige Haftstrafe abgebüßt. "Sind Sie sich bewusst, dass Stiche in den Oberkörper jemanden töten können?", fragte der vorsitzende Richter auch in Bezug auf die bereits abgeurteilten Taten. "Ja", antwortete der Beschuldigte, schließlich habe er in Ungarn auch "vier Jahre in der Pathologie gearbeitet", als Gehilfe.

Ermittler: "Er hat uns erwartet"

Im Mordprozess kam jener Ermittler zu Wort, der den 57-jährigen Beschuldigten in der Justizanstalt Stein mit der Bluttat konfrontiert hatte. "Er hat uns erwartet", betonte der Beamte. In der folgenden Vernehmung sei der Angeklagte auch sofort geständig gewesen, habe allerdings auf seinen erhöhten Alkoholkonsum vor der Attacke hingewiesen.

Der als Zeuge einvernommene Ermittler war auch in den abgeurteilten Mordfall um die Lebensgefährtin des 57-Jährigen involviert gewesen. Die Räume in dem Abbruchhaus seien 2015 "völlig vermüllt" gewesen, skizzierte er die Lage in dem Objekt. Man habe sich auf den Auffindungsraum der Leiche der Partnerin konzentriert. Die ebenfalls bereits in dem Haus abgelegte tote 38-Jährige sei Jahre später in einem Zimmer entdeckt worden, das die Ermittler eigentlich erfasst geglaubt hatten. "Der Raum ging um die Ecke", gab der Zeuge an.

Am Ende des Beweisverfahrens bezeichnete die Staatsanwältin das Geständnis des Ungarn als letzten fehlenden Teil im Puzzle der Indizien. Der Verteidiger verzichtete auf sein Plädoyer.

Ungewohnt lange und durchaus theatralisch wirkende Schlussworte gab dafür der Angeklagte von sich. "Das, was ich getan habe, war leider eine riesengroße Straftat", führte er aus. Er wolle nichts beschönigen. "Wenn man jetzt in Österreich eine Todesstrafe hätte und ich eine bekommen würde, würde ich auch da nicht um Gnade ersuchen." Er habe in seinem Leben "viele böse Taten begangen, aber wenn es nur einen einzigen Menschen gibt, der aus meinen Fehlern lernt, dann sage ich, es hat sich gelohnt, dass ich gelebt habe."

Die Geschworenen zogen sich gegen 11.45 Uhr zu ihren Beratungen zurück. Ein Urteil wurde für die frühen Nachmittagsstunden erwartet.