Am Ende des Streits fehlten acht Zähne. 56-Jähriger Schwechater soll dafür verantwortlich sein, dass einer Freundin seiner Frau mehrere Zähne samt Prothese fehlen. Verhandlung für Gutachten vertagt.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 15. September 2021 (05:56)
Gericht
NOEN, Erwin Wodicka

In einer Gärtnerei ereignete sich am 25. April eine Auseinandersetzung, die für einen 56-jährigen Rumänen zu einer Anklage wegen schwerer Körperverletzung am Landesgericht Korneuburg führte.

Eigentlich war der Mann an diesem Tag in den Betrieb gekommen, um seine Frau von der Arbeit abzuholen. Dabei traf er auf eine 43-jährige Landsfrau und Freundin seiner Gattin, die ebenfalls in der Gärtnerei beschäftigt ist, mit der er aber bereits im Vorfeld öfter aneinandergeraten war. Sie trug dabei zwei Blumenkisten mit Tomaten-Jungpflanzen in beiden Händen. Ab da wurden sowohl der Sachverhalt als auch die Verhandlung etwas skurril.

In der Version des Mannes habe die Frau ihn getreten, er habe daraufhin zurückgetreten, dann sei sie auf ihn zugestürzt und er habe sich mit einer abwehrenden Haltung verteidigt. Die 43-Jährige sagte als Zeugin: „Er hat mich getreten, dann habe ich zurückgetreten – und dann weiß ich nicht mehr, was passiert ist.“

Sachverständiger soll Klarheit bringen

Beide geschilderten Abläufe überzeugten Richterin Astrid Raufer wenig. Zumal der Schaden, den die Frau durch diesen Vorfall erlitten haben soll, groß ist. Ob wegen eines Stoßes, vielleicht sogar eines Schlages oder aufgrund der „Notwehr“, die der Verteidiger des Mannes ins Treffen führte, in jedem Fall stürzte die Frau und verlor dabei ihre Zahnprothese. Überdies habe die 43-Jährige durch diesen Sturz acht Zähne verloren.

Das bestritt die Verteidigung energisch, schließlich seien die Schäden der Zähne bereits davor gravierend gewesen. Sie habe beim Reden die Prothese immer mit einem Finger festgehalten, schilderte der Angeklagte. Das habe sie nie beobachtet, sagte hingegen eine 29-jährige Kollegin des Opfers. Sie sagte aber auch, dass das Opfer „sehr erschrocken“, aber keineswegs bewusstlos war.

„Irgendwas ist passiert“, fasste die Richterin zusammen, „aber welcher Schaden wirklich vom Angeklagten verursacht wurde“, könne, wenn, nur ein Sachverständigengutachten klären. Sie sei als Richterin verpflichtet zu überprüfen, ob der Straftatbestand der schweren Körperverletzung, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, besteht – und vertagte auf unbestimmte Zeit.