Mit Kindern in der Quarantäne: „Mach erst dein Bett“. Wie Familien und Pädagogen der Region die Krise meistern.

Von Brigitte Wimmer. Erstellt am 25. März 2020 (03:30)
Während der Coronakrise nützt das Pfarrer-Ehepaar Benjamin und Alexandra Battenberg mit den Kindern den kleinen Mini-Garten ihres Hauses für Frischluft und Bewegung.
privat

„Quarantäne mit Kindern ist beides: Ein großes Geschenk, weil man plötzlich so viel Zeit hat miteinander. Und eine große Herausforderung, weil man plötzlich so viel Zeit hat miteinander. Meistens ist es beides gleichzeitig“, ist sich Alexandra Battenberg, Schwechats evangelische Pfarrerin und Mutter dreier Kinder, sicher.

Ihre Strategie, damit der Familie nicht die Decke auf den Kopf fällt:

1.Offen über die Situation sprechen. Es hilft Kindern, (kindgerecht) zu hören, was eigentlich los ist. Das vertreibt die diffuse Angst.

2. Die Struktur beibehalten. Aufstehen, frühstücken, anziehen, aufräumen und statt dem Kindergarten ein eigens Programm gestalten.

3. Jeden Tag ein Projekt: zum Beispiel Fotoalben betrachten und Geschichten dazu erzählen, gemeinsam Kochen oder Basteln. Die evangelische Pfarre stellt auf ihrer Homepage einige kreative Ideen für Aktivitäten mit Kindern zur Verfügung. Ein letzter Tipp der Pfarrerin: „Stehe auf und mache als erstes dein Bett. Damit hast du bereits einen kleinen Erfolg gehabt – und das motiviert für den Rest des Tages!“.

Miriam Haschka, Jungschargruppenbetreuerin der Pfarre Schwechat meint zur Quarantäne: „Alle Gruppentreffen sind zurzeit abgesagt (Erstkommunion, Firmung und Ostergespräche), doch meine Mutter (Margit Haschka) hält Kontakt zu den Erstkommunionskindern.“ Studentin Miriam arbeitet auch bei einer Versicherung, und weiß von dort zu berichten: „Homeoffice ist für mich okay, aber meine Kollegen mit Kindern finden es sehr schwierig, zu Hause ungestört zu arbeiten und gleichzeitig ihren Nachwuchs zu beschäftigen.“

Digitaler Unterricht

Grünen-Stadtrat Simon Jahn, er ist Architekt von Beruf und mit Frau und Tochter zuhause: „Die Schulen sind geschlossen und die Baustellen eingestellt, darum steht für meine Tochter (sie geht in die 1. Klasse im Schwechater Gymnasium) „E-Learning“ am Programm. Nachmittags lerne ich ihr ein paar Griffe auf der Gitarre oder sie malt etwas.“ Die Bewegung an der frischen Luft geht Familie Jahn sehr ab: „Wir haben – ohne jeden Fremdkontakt – versucht, täglich ein kleines Stück zu laufen oder mit dem Rad zu fahren.“

Jana Fälbl, Lehrerin an der NMS Frauenfeld, unterrichtet ihre Schülerinnen und Schüler zurzeit digital: „Letzten Freitag habe ich alle Apps für zu Hause erklärt und mich vergewissert, dass alle Zugang zu einem Smartphone oder Computer mit Internet haben.“ Schulbücher und Unterlagen nahmen die Kinder mit nach Hause. Jeden Schultag sendet Fälbl einen neuen Arbeitsauftrag über Showbie.com und kann dabei auch PDFs online stellen und die fotografierten Hausübungen der Kinder prüfen. Mit den Eltern ist die Pädagogin über Schoolfox (einem digitalen Mitteilungsheft) verbunden. Fälbl meint: „Obwohl die Schüler traurig sind, weil sie ihre Freunde nicht treffen können, arbeiten sie sehr brav von zu Hause aus!“