Cannabis-Plantage: Beweislage zu dünn. 32-Jähriger wegen Drogen-Anbau in Schwechat und Wien vor Gericht. Beteiligung an Braustadt-Fall nicht nachweisbar.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 06. Januar 2021 (03:12)
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Mitunter kurios verlief eine zweitägige Verhandlung vor einem Schöffensenat am Landesgericht Korneuburg. Angeklagt war ein 32-jähriger Österreicher, der in der Oswaldgasse in Wien und der Schwechater Tiefenbachergasse je eine Cannabis-Plantage betrieben haben soll. Für die Anmietung der Wiener Wohnung hatte der Mann einen gefälschten kroatischen Personalausweis verwendet. Das gab der Beschuldigte auch unumwunden zu und bekannte sich schuldig, auch der Urkundenfälschung.

Um dem 32-Jährigen die Plantage in der Braustadt ebenso nachweisen zu können, glaubten Staatsanwältin Petra Fritz und ihr Team mit guten Beweisen in Form von Fotos und einem Überwachungsvideo gewappnet zu sein. Dagegen erhob jedoch Verteidiger Andreas Reichenbach Einspruch, da die auf den Fotos abgebildete Person kaum seinem Mandanten ähnle.

Am ersten Verhandlungstag reichten dem Schöffensenat die Fotos nicht, um festzustellen, ob es sich um den Angeklagten handelt. Also beantragte die vorsitzende Richterin Anna Wiesflecker das Überwachungsvideo und vertagte. Allerdings brachte der zweite Tag keine neuen Erkenntnisse, da das Video wegen eines technischen Defekts des Polizeiservers nicht mehr vorhanden war. Daraufhin musste der Prozess unterbrochen werden, um zu beraten, welche Zeugen weiter gehört werden.

Dann unterlief dem Gericht jedoch ein Lapsus, da eine Zeugin geladen werden sollte, die nur zu den vom Angeklagten zugegebenen Vorgängen in Wien aussagen hätte können. „Es gibt sonst keine Zeugen“, war Verteidiger Reichenbach eine leichte Verärgerung anzuhören, der seit dem ersten Verhandlungstag keine Fragen mehr offen sah. Das Ergebnis, sprich Urteil, war schließlich auch ein Freispruch im Schwechater Fall. Für die Plantage in Wien und eine fahrlässige Körperverletzung in Klosterneuburg wurde der 32-Jährige zu 18 Monaten Freiheitsstrafe, davon zwölf auf Bewährung, verurteilt.