CBD-Shop: Nach Eröffnung gleich auf Messers Schneide. Seit Mitte September betreibt Michael Mucha sein Geschäft in der Sendnergasse in Schwechat. Nun bedroht ein EU-Entscheid seine Branche.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 18. November 2020 (04:33)
Bleibt trotz aller Widerstände optimistisch: Unternehmer und CBD-Fan Michael Mucha.
Gerald Burggraf

Seit Dienstag ist die „Vape & CBD Lounge“ von Michael Mucha in der Sendnergasse zu. Wie alle anderen Geschäfte nach dem von der Regierung verhängten „harten Lockdown“. Das ist doppelt bitter, immerhin hat der Wiener erst Mitte September eröffnet. Doch Muchas unternehmerische Zukunft hängt generell am seidenen Faden, dafür sorgt jedoch die EU-Kommission.

Denn in Brüssel will man den Hanfwirkstoff CBD als Suchtmittel einstufen, wodurch ein Verkauf illegal wäre. CBD wird zwar aus der Cannabis-Pflanze gewonnen, wirkt jedoch nicht psychoaktiv. Auf der Abschussliste steht allerdings nur das aus der Pflanze gewonnene CBD, nicht die synthetische Variante. Für Mucha macht das aber keinen Unterschied. „Das ist wie der Vergleich zwischen Bier und alkoholfreiem Bier – synthetisches CBD hat keine Wirkung“, betont er.

Die Wirkung von CBD ist vergleichbar mit Homöopathie. Wer daran glaubt, dem hilft es auch.“ Michael Mucha

Der 55-Jährige schwört auf den pflanzlichen Hanf-Wirkstoff. „Es ist vergleichbar mit Homöopathie. Wer daran glaubt, dem hilft es auch“, ist Mucha überzeugt. Er selbst spürt dadurch eine innere Ruhe und schläft besser. CBD gilt bei Fans etwa als schmerzstillend sowie wirksam gegen Angst oder Stress.

Der Unternehmer brach im Sommer aus privaten Gründen nach acht Jahren seine Firmenzelte in Wels ab und ging zurück nach Wien. In seiner Heimatstadt wurde Mucha bei der Lokalsuche aber nicht fündig und landete schließlich in Schwechat. Der Verkauf der CBD-Produkte ist jedoch knifflig.

Denn eigentlich dürfen sie, die als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zur Anwendung kommen, nicht als solche dargestellt werden. Sie gelten als „Novel-Food-Lebensmittel“ (neuartige Lebensmittel) und müssen daher zentral von der EU-Kommission zugelassen werden – übrigens im Gegensatz zu normalen Lebensmitteln, für die es keine Genehmigung braucht.

Umschifft wird dieses Problem mit der Bezeichnung als Aroma-Öle. Das findet Mucha befremdlich, denn: „Damit muss ich meine Kunden eigentlich anlügen.“ Er dürfe auch keinerlei gesundheitliche Tipps geben. Wenn die EU-Kommission CBD als Suchtmittel einstufen sollte, wäre das „fatal für eine ganze Branche“, wie der 55-Jährige festhält. Auch ihn würde diese Entscheidung schwer treffen, obwohl er mit E-Zigaretten ein zweites Standbein besitzt.

„Moonshine“-Schnaps als neues Standbein

Mucha gibt sich dennoch betont optimistisch und plant eine zusätzliche Schiene für seinen Shop. So nimmt er Liköre und Brände der deutschen Firma „Bavarian Moonshine“ ins Sortiment auf. Das Besondere daran: Die Alkoholika sind als Hommage an die Schwarzbrennerei in Zeiten der Prohibition in den USA gedacht. Denn sie werden wie damals in Marmeladengläsern verkauft – weil deren Kauf weniger Aufmerksamkeit erregte als leere Flaschen.