Doppel-Insolvenz bei Kremsmüller. Nach Anlagenbau ist auch der interne Service-Dienstleister pleite. Betrieb soll aber weitergehen.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 16. Juli 2020 (06:28)
Dank der Nähe zur OMV-Raffinerie und den dort laufenden Rahmenvereinbarungen der Industrieanlagen sowie deren Servicierung ist der Kremsmüller-Standort in Schwechat trotz Insolvenz gesichert.
Gerald Burggraf

Nach der Industrieanlagenbau KG meldete nun auch die Industrieservice KG der Firmengruppe Kremsmüller Insolvenz an. Da circa 95 Prozent der rund 600 Mitarbeiter der Service-Gesellschaft als „interne Dienstleister“ für den Anlagenbau arbeiten, sind im Grunde die gleichen Mitarbeiter von den Konkursen betroffen.

Daher sei dieser Schritt laut Miteigentümer Gregor Kremsmüller und Firmenanwalt Günther Grassner nur logisch gewesen. In beiden Insolvenzfällen werden ein Sanierungsverfahren und eine Fortführung des Betriebes angestrebt. Gerade die Industrieservice KG spielt am Standort Schwechat durch die Nähe zur OMV-Raffinerie eine zentrale Rolle. Daher betont man auf NÖN-Anfrage auch, dass „Dienstleistungen für die Industrie“ unbeeinträchtigt weiterlaufen. „Alle Rahmenverträge laufen ganz normal weiter“, lässt Michael Obermeyr von der PR-Agentur „Reichl und Partner“ und Kremsmüller-Sprecher im Insolvenzverfahren wissen.

Keine Unterbrechung bei Arbeitsaufträgen

Insgesamt 434 Mitarbeiter sind nach wie vor in verschiedensten Dienstleistungsrahmenverträgen beschäftigt. Gerade deshalb könne von einer Gefahr für den Standort Schwechat keine Rede sein. Darüber hinaus wären sämtliche Arbeiten ohne Unterbrechung weitergelaufen. Coronabedingt musste aber auch bei der Kremsmüller Kurzarbeit in Anspruch genommen werden. Mittlerweile wurde diese wieder beendet – für sieben Mitarbeiter gab es kein Beschäftigungsfeld mehr und sie wurden abgebaut.

Ins Rollen gebracht hat die nun Doppel-Insolvenz aber nicht die Coronapandemie, sondern ein aus dem Ruder gelaufener Großauftrag der Wien Energie. Kremsmüller hätte eine Klärschlammtrocknungsanlage zur Verbrennungsaufbereitung des anfallenden Klärschlamms umsetzen sollen. Die Kosten explodierten jedoch von ursprünglich geplanten 22,5 Millionen Euro auf bis zu 65 Millionen Euro. Vertragsnachverhandlungen verliefen erfolglos, die Firmengruppe blieb auf den bereits geleisteten Kosten sitzen.