Betrugsvorwurf gegen Deutschen wegen alter Münzen. Deutscher wechselte Geldstücke für mehrere tausend Euro – allerdings dürften diese nicht mehr als Zahlungsmittel zulässig sein.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 26. Dezember 2020 (06:44)
shutterstock.com/andrey2017
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Der Prozess am Landesgericht Korneuburg brachte auch für Richter Martin Bodner neue Erkenntnisse. Erstmalig in seiner Richterkarriere musste er sich mit dem Scheidemünzengesetz auseinandersetzen. Dieses legt fest, wann und aus welchen Gründen eine Münze nicht mehr in Umlauf gebracht werden darf und somit auch nicht mehr als Zahlungsmittel zulässig ist.

Eben solche Münzen soll ein 41-Jähriger in Raiffeisen-Filialen in Schwechat, Fischamend und Wien eingewechselt und das Geld auf sein Konto überwiesen haben. Warum Raiffeisenbanken? Als Grund gab der Deutsche an, dass er sein Konto in Baden-Württemberg ebenfalls bei einer Raiffeisenbank hat. In den Bankfilialen wechselte der Mann etwa 30 Kilo an Münzen, was einem geschätzten Wert von 6.000 bis 7.000 Euro entspricht.

Die Münzen habe er von einem Geschäftspartner in Belgrad, der damit einen Teil seiner Schulden bei dem Angeklagten bezahlen sollte. Der 41-jährige Zugbegleiter beteuerte vor Gericht, dass „ich selbst am meisten geschädigt bin“. Außerdem schilderte er, wie er mit dem Geld getankt und andere kleine Besorgungen gemacht hat. Tatsächlich befand auch Richter Bodner, seien einige Münzen nicht als unbrauchbar zu erkennen.

„Darf man widersprechen“, fragte ein Mitarbeiter der Münze Österreich, der als Zeuge geladen war. Der Verhandlungsleiter antwortete: „Ja, ich will ja was dazulernen.“ Der Experte erläuterte dann anhand der 26 Münzen, die dem Gericht zur Verfügung standen, die Kennzeichen.

Abgesehen von dem juristischen „Neuland“ wurde der Fall an der Stelle knifflig, als es um einen weiteren Angeklagten ging. Der Obdachlose soll dem Deutschen bei der Umwechslung der Münzen behilflich gewesen sein. In seiner polizeilichen Vernehmung hatte er allerdings andere Angaben zum Ablauf gemacht, als der Deutsche. Da der Mann aber nicht zur Verhandlung erschienen war, konnte der Angeklagte nicht mit den Widersprüchen konfrontiert werden. Die Verhandlung wurde daher auf unbestimmte Zeit vertagt.