Freispruch für Drogensüchtigen

Das Liquid Ecstasy, das ein 31-Jähriger bestellt hatte, wurde am Flughafen Schwechat abgefangen.

Erstellt am 07. Januar 2022 | 04:46
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Der 31-Jährige hatte sich Liquid Ecstasy bestellt.
Foto: Shutterstock/Chayanuphol

Am Landesgericht Korneuburg war ein 31-jähriger ungarischer Staatsbürger angeklagt. Er soll versucht haben, an Liquid Ecstasy zu gelangen. Seine Bestellung wurde nämlich am Flughafen Schwechat abgefangen. Was Richterin Lydia Rada irritierte war, dass der Mann erst am 21. April dieses Jahres nach einer Verurteilung wegen eines Suchtmittelvergehens bedingt enthaftet wurde. „Und Sie gehen nach Hause und bestellen gleich wieder. Hat die Haft bei Ihnen keinen Eindruck hinterlassen?“

„Doch“, der zurzeit bei seinem Vater lebende Mann, aber nach drei Monaten Haft habe ihn die Freiheit überfordert und er hatte dann wieder Gusto auf die Droge, sie mache ihn ruhiger und „der Druck ist weg“.

Angeklagter suchte sich Therapieplatz

Das sei mit ein Grund, warum er jetzt bei seinem Vater wohne, so Verteidigerin Veronika Ujvárosi, um sich ein stabiles Umfeld zu schaffen. Ihr Mandant hätte sich auch schon einen Therapieplatz gesichert, weil er einsehe, dass er immer noch süchtig ist und davon wegkommen möchte.

Wie Ujvárosi ankündigte, verhielt sich der Mann „absolut geständig“. Für einen gewissen Adrian habe er zehn Liter Liquid Ecstasy bestellt, sein Honorar, wenn man so will, wäre ein Liter gewesen. Es ging dem Mann also ausschließlich darum, seine Sucht zu befriedigen. Das stellt juristisch noch keinen Vorteil dar, da ein Süchtiger mit solchen Handlungen nur seine Sucht befriedigt – was zurecht nicht notwendigerweise ein Vorteil für den Betreffenden sein muss.

Abgesehen davon, dass der Zoll die zehn Liter abfing und er als Süchtiger nicht einmal an die Droge herankam, befand Rada: „Am Vorteil hapert‘s.“ Das gab ihr die rechtliche Handhabe den Mann freizusprechen, womit sie ein abwägendes Urteil fällte.