Fünf Jahre Haft für Sex-Erpresser. Schwechater forderte intime Fotos und Videos von minderjährigen Mädchen, um dann mehr davon und Geld zu erpressen.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 03. Februar 2021 (05:55)
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Ein hartes Stück Arbeit hatten Richter Manfred Bodner und der Schöffensenat am Landesgericht Korneuburg vor sich. Angeklagt war ein 25-jähriger Mann, dem eine Vielzahl an Delikten vorgeworfen wurde: Schwerer sexueller Missbrauch von Minderjährigen und Unmündigen, schwere Erpressung, geschlechtliche Nötigung und pornographische Darstellung von Minderjährigen. Geschehen sind diese Taten bereits im Herbst 2019.

Wie perfide und mit welcher kriminellen Energie der Mann dabei vorgegangen ist, schilderte Staatsanwalt Josef Mechtler in seinen Eröffnungsworten. Der Angeklagte forderte seine Opfer, eines war erst 13 Jahre, auf, immer intimere Fotos von sich zu schicken. Sollten sich seine Opfer weigern, werde er die bereits gesendeten Fotos an Bekannte, Freunde und sogar die Familie schicken. Dabei verschleierte er seine Identität und gab sich für andere Personen, teils Bekannte der Opfer, aus.

In einigen Fällen brachte er die Mädchen dazu, ihm die Zugangsdaten zu ihren Social-Media-Accounts zu geben, welche er umgehend änderte, womit er den vollen Zugriff erhielt. Bei einer 17-Jährigen hörte er mit seinen Forderungen nach Sexfotos und -videos auch dann nicht auf, als sie ihm schrieb: „Du kannst ein Video haben, wie ich mich umbring.“ Neben den Bildern erpresste er von seinen Opfern auch Geld in Form von Paysafe-Guthaben.

Zwar hatte seine Verteidigerin Kathrin Schuhmeister angekündigt, dass sich ihr Mandant reumütig geständig zeigen würde, was der Schöffensenat über weite Strecken der Verhandlung von ihm zu hören bekam, war allerdings: „Ich weiß nicht.“ Er wusste nicht mehr warum und wie er die Taten begangen, dass er Alias-Namen verwendet hatte und wer seine Opfer waren. Was Richter Bodner zu dem Satz provozierte: „Wenn man sich schuldig bekennt, dann sollte man auch wissen, wozu.“ Allerdings prallte auch dieser Appell an dem jungen Familienvater ab.

Staatsanwalt lobt Schwechater Polizei

Erst die Frage eines Schöffen, warum er die erpressten Paysafe-Beträge für seine Online-Spielsucht und nicht für sein Kind verwendet habe, erreichte den Angeklagten emotional. Er fing zu weinen an; aus Selbstmitleid oder tatsächlich aus Reue blieb unbeantwortet.

Aber auch die weitere Befragung brachte nur unwissend Geständiges zutage. Was in einem Fall insofern bis heute fortwirkt, als dass ein Opfer immer noch nicht über seine Social-Media-Zugriffsdaten verfügt. Wieder war es der Schöffe, der zum Angeklagten durchdrang, woraufhin der 25-Jährige dem Gericht ein Passwort nannte.

Staatsanwalt Josef Mechtler hob in seinem Schlussplädoyer, neben dem „wehleidigen Geständnis“ des Angeklagten, vor allem die Polizeiarbeit in diesem Fall heraus. Die Schwechater Beamten des Kriminaldienstes mussten sich monatelang durch insgesamt 631 Chatprotokolle mit zum Teil bis zu 20.000 Postings arbeiten und lieferten damit die Fundamente der Anklage und letztlich auch der Verurteilung. Die Entscheidung des Schöffensenats lautete: Fünf Jahre Haft.