Gärtnergasse: Experte empfiehlt nur eine Sperre

Erstellt am 06. November 2019 | 04:39
Lesezeit: 4 Min
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TU-Verkehrsexperte sieht in Plänen für L2070 ein „Luxusmodell“. Bauliche Sperre allein hätte gleichen Effekt.
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Die Gärtnergasse in Kledering ist schon lange ein Sorgenkind der Schwechater Stadtregierung. Die Anrainer der Siedlung sind seit Jahren leidgeplagt, weil der illegale Durchzugsverkehr zum nahegelegenen Wiener Industriegebiet auch trotz Fahrverbot nicht in den Griff zu bekommen ist. Rund 1.600 Fahrzeuge, viele davon Lkw, nehmen täglich den Abschneider.

Nun ist vorgesehen, dem Problem mithilfe einer Umfahrungsstraße, der L2070, Herr zu werden. Eine Lösung, die von den Anrainern auch nicht gänzlich positiv gesehen wird, da deren Umsetzung zu lange dauern würde. Denn vor 2030 ist damit nicht zu rechnen.

„Die 2070 ist ein Luxusmodell, bei dem man eben auch noch Ackerflächen versiegelt.“ Harald Frey, Technische Universität Wien

SPÖ und Grüne hatten in Schwechat geplant, die B14 als Umfahrung voranzutreiben. Die wurde aus Kostengründen jedoch von den Ländern Wien und Niederösterreich abgelehnt. Die „Umfahrung light“, also die L2070, habe hingegen Zuspruch gefunden, weil sie kostengünstiger sei, so Grün-Verkehrsstadträtin Brigitte Krenn.

Die Grünen ließen nun in einer Studie der TU Wien erheben, welche Auswirkungen die Errichtung der Umfahrungsstraße auf den restlichen Stadtverkehr haben könnte. Die Ergebnisse wurden in der Vorwoche bei einem Infoabend öffentlich präsentiert. „Schwechat hat eine sehr komplexe Ausgangslage“, schickte Verkehrsexperte Harald Frey von der TU Wien, voraus. Schließlich liege die Stadt eingebettet zwischen Autobahnen.

„Jede Fahrbahn macht das Autofahren attraktiver und erzeugt somit letztlich mehr Verkehr“, gab Frey zu bedenken, dass eine zusätzliche Straße angesichts der Schwechater Verkehrssituation also „grundsätzlich kritisch zu betrachten ist.“ Dazu komme, dass irgendwann sowohl mit dem Lobautunnel als auch mit der Umfahrung Zwölfaxing zu rechnen sei, die ebenfalls für zusätzlichen Verkehr im Schwechater Raum sorgen würden.

"So wie die Straßen derzeit sind, gibt es keinen Anreiz, die neue Straße zu verwenden"

„Auch ohne Lobautunnel wird man auf der S1 bis 2030 auf rund 90.000 Fahrzeuge pro Tag kommen“, schätzte Frey eine Steigerung um 20.000 Fahrzeuge täglich bis dahin. Auch im Stadtgebiet sei bis dahin mit einer generellen Zunahme des Verkehrs um zehn Prozent zu rechnen.

Die geplante Umfahrungsstrecke 2070 werde jedenfalls lediglich lokale Auswirkungen haben und eine Entlastung vor allem für die Gärtnergasse, sowie die Klederinger Straße und die Ostbahnstraße bringen – im Jahr 2030 sogar um bis zu 3.000 Fahrzeuge pro Tag. „Ansonsten wird die Be- bzw. Entlastung im Stadtgebiet dadurch eher geringfügig sein“, prophezeite Frey. Klar sei, dass eine Umfahrung nur dann zielführend sei, wenn in der Gärtnergasse eine bauliche Sperre errichtet werde.

„So wie die Straßen derzeit sind, gibt es keinen Anreiz, die neue Straße zu verwenden“, erklärte Frey. Zusätzlich schlug Frey Fahrbahnteiler mit Fahrbahnverschwenkungen sowie durchgehende Radwegverbindungen und verkehrsberuhigende Maßnahmen auf der Himberger Straße und auf dem Hauptplatz vor.

Wirklich für Staunen sorgte der Experte allerdings auf die Frage: Was passiert, wenn die Gärtnergasse gesperrt, aber die 2070 nicht gebaut wird? Er meint nämlich, dass das unterm Strich die einfachste Lösung sei. „Die 2070 ist ein Luxusmodell, bei dem man eben auch noch Ackerflächen versiegelt“, so Frey. Auswirkungen würde man sonst nirgends im Stadtgebiet merken. „Das System hat eine hohe Elastizität, die 2.000 Fahrzeuge würden sich so dispers verlagern, dass das nirgends spürbar wäre“, meinte Frey.

Doch auch diese Lösung kam nicht bei allen Anrainern der Gärtnergasse gut an. Einige protestierten, weil auch sie dann Richtung Wien den Umweg über das Schwechater Stadtgebiet nehmen müssten.

Frey empfahl daher, dass sich die Anrainer der Siedlung untereinander einigen und mit einer Stimme sprechen sollten. „Die Frage ist, was ist ihnen lieber? Ruhe vor der Haustür oder ein bisschen ein Umweg?“ Die Politik sei jedenfalls nicht für Einzelinteressen da. Sie müsse auf das System als Ganzes schauen.

Bei SP-Bürgermeisterin Karin Baier ruft dieses Fazit jedenfalls Skepsis hervor. „Die nun in Planung befindliche Lösung soll den Verkehr aus der Siedlung bringen und jene Lkw, die derzeit durch Kledering nach Wien fahren, vor dem Ort ableiten. Wir halten das für eine gute Lösung. Dass genau jener vergleichsweise kleine Teil der Klederinger aus dem Bereich Gärtnergasse nun wieder unzufrieden ist, kann ich nicht verstehen“, so Baier. Der Großteil der Klederinger sei von einer Sperre der Gärtnergasse wenig angetan.

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