Lärmschutz: Flughafen-Kritiker in der Kritik. Die Forderung nach einem Nachtflugverbot für den Flughafen Schwechat bringt der Bürgerplattform „SOS Region Ost“ Gegenwind ein.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 05. August 2021 (05:58)
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Das geforderte Verbot von Flügen zwischen 21 und 7 Uhr sorgt ob der Bedenken an eine Realisierbarkeit für Unverständnis.
Burggraf

Mit ihrem Vorstoß für ein Flugverbot zwischen 21 und 7 Uhr – ausgenommen Notlandungen – hat die Bürgerplattform „SOS Region Ost“ um die Zwölfaxinger Umweltmedizinerin Jutta Leth auch für Unmut gesorgt.

Allen voran deshalb, weil sich die darin vereinigten Bürgerinitiativen und Einzelkämpfer gegen die Flugverkehrsbelastungen einer Mitwirkung im Dialogforum verweigern. Hauptsächlich, weil dieses vom Flughafen finanziert wird und damit aus Sicht der Plattform nicht vertrauenwürdig ist.

Das weisen jedoch sowohl die im Dialogforum vertretene Arbeitsgemeinschaft gegen Fluglärm (ARGE) als auch die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden vehement zurück. ARGE-Obmann Manfred Peter und Dialogforum-Vorsitzender Jürgen Maschl, auch SPÖ-Bürgermeister in Schwadorf, betonen, dass sämtliche Errungenschaften in Sachen Lärmschutz auf Ergebnisse aus dem Mediationsverfahren sowie dem danach entstandenen Dialogforum zurückzuführen seien. Vielmehr hätten einzelne SOS-Mitglieder des Öfteren das Angebot zur Mitwirkung ausgeschlagen. „Die Einladung, ist nach wie vor aufrecht“, hält Maschl fest.

ARGE-Sprecher Manfred Peter kritisiert zudem, dass etwa die Forderung nach einem Nachtflugverbot von 21 und 7 Uhr unrealisierbar sei. Er fragt sich, ob Jutta Leth und ihren Mitstreitern die „Kenntnisse dazu fehlen oder sie erheben eine derart unerreichbare Forderung wider besseres Wissen mit dem einzigen Erfolg, dass sie Hoffnungen hervorrufen, die nicht in Erfüllung gehen können.“

„SOS Region Ost“ will Gleichstellung mit Wien

Denn an keinem europäischen Flughafen mit Nachtflugregelung gebe es ein derartig langes Lande- und Startverbot. Das habe auch „flugökonomische Gründe“. Die Bürgermeister zeigen sich wiederum irritiert, dass „SOS Region Ost“ in ihren Aussendungen stets eine Fülle an Ortschaften aufzählt. Das suggeriere, dass sie diese Gemeinden vertreten – doch das würden die Bürgermeister schon selbst übernehmen.

Dem widersprecht Plattform-Sprecherin Susanne Laschober vehement. Man sei „eine politische unabhängige Bürgerbewegung“ sowie „ein Zusammenschluss aus Bürgerinitiativen“ und vertrete alle lärmgeplagten Bürger.

„Wir sehen uns nicht als Sprachrohr der Bürgermeister“, unterstreicht Laschober. Allerdings fordere man die Gleichstellung mit Wien, über dessen Gebiet keine Nachtflüge stattfinden. Tatsächlich sieht die geltende Regel vor, dass keine Landungen über die Piste 11 stattfinden, deren Einflugsschneise ausschließlich über die Bundeshauptstadt führt. Gestreift wird der Nordosten Wiens durch Landungen über die Piste 16. Ansonsten werden in der Zeit von 21 bis 7 Uhr die Flüge je nach Wind nur über niederösterreichisches Gebiet geflogen.

Die im Dialogforum vertretenen NÖ-Bürgermeister sollten die Gleichstellung mit Wien einfordern, ergänzt Laschober. Ob geplante Flüge zwischen 21 und 7 Uhr oder 22 und 6 Uhr verboten werden, sei letztlich Gegenstand von Verhandlungen. Das Dialogforum ist dafür laut „SOS Region Ost“ keine Option.

Zumindest wären Laschober und ihren Mitstreitern keine „in der Praxis tatsächlich wirksamen Verbesserungen der Flugverkehrsbelastung“ bekannt. Und auf „Verbesserungsvorschläge wurde nicht ernsthaft eingegangen“, moniert die Sprecherin. Die aktuelle Regelung sei jedenfalls veraltet und berücksichtige keineswegs die schädlichen Folgen von Nachtflüge wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen.