FP-Politiker empört mit Facebook-Sager

Erstellt am 03. März 2015 | 15:34
Lesezeit: 4 Min
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Foto: NOEN, Andreas Fussi
FPÖ-Gemeinderat aus Maria Lanzendorf schreibt in Zusammenhang mit den Grünen: "Wie Hitler und Stalin zusammen".
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Ein Eintrag von Maria Lanzendorfs FPÖ-Gemeinderat Erhard Brunner löst Kopfschütteln und Empörung aus. Auf der Facebookseite von Schwechats FPÖ-Spitzenkandidat Johann Ertl, in der dieser den NÖN-Artikel über die Absage einer Zusammenarbeit der Grünen mit der FPÖ teilte, schrieb Brunner folgenden Kommentar: „tja, so sind sie nun, diese Gutis und Toleran-Aposteln (sic!)! Wie Hitler und Stalin zusammen!!“ und stellte dazu ein Zwinkersmiley.

"Für jede Zusammenarbeit disqualifiziert"

Die Jungen Grünen sehen diesen Sager als Beweis, weshalb „eine Zusammenarbeit mit der FPÖ auch auf Bezirksebene nicht möglich“ sei. Jemand, der so einen Kommentar abgebe, habe „sich für jede Zusammenarbeit disqualifiziert“, meinen sie und danken Grünen-Chefin Brigitte Krenn für ihre klaren Worte gegen eine Kooperation mit der FPÖ.

Brunner selbst behauptet, sich auf die angebliche Toleranz und Weltoffenheit der Grünen bezogen zu haben, die ein anderer Poster zuvor erwähnt hatte. „Dass etliche Grüngetarnte, von einigen Ausnahmen in der Provinz abgesehen, so tolerant sind, dass es schon an Intoleranz grenzt, pfeifen mittlerweile die Spatzen von den Dächern“, ergänzt er.

Bezirkschef Zistler spricht ein Machtwort

FPÖ-Bezirkspartei-Obmann Wolfgang Zistler wurde von der NÖN auf die Brunner-Aussage aufmerksam gemacht. Er machte dem FP-Gemeinderat klar, „dass ich derartige Aussagen und Vergleiche absolut nicht billige“. Laut Zistler habe Brunner „dieses verwerfliche Posting in einem emotionalen Moment gemacht“.

Man solle aber auch den Kern der Aussage beachten, wonach Brunner meinte, dass die Grünen eigentlich „Demokratieverweigerer wären und den Wählerwillen ignorieren“.

"Vergleiche mit Hitler und Stalin nicht erwünscht"

Zistler: „Natürlich wäre es besser gewesen, das auch so zu schreiben, da derartige Vergleiche mit Hitler und Stalin sicher nicht erwünscht sind in unserer Partei. Ich habe Erhard Brunner dazu aufgefordert, Derartiges in Zukunft zu unterlassen.“

Bezüglich der rechtlichen Sachlage bei Diffamierungen im Internet erkundigte sich die NÖN beim Schwechater Rechtsanwalt Franz Lima. Er ist selbst Gemeinderat der FPÖ in Ebergassing. Angesichts dessen, dass immer wieder einzelne FPÖ-Mitglieder mit fragwürdigen Aussagen auffallen, wünscht und fordert Lima mehr Sachlichkeit. „Trotzdem sollte man seine Meinung nicht hinter einem Berg verstecken.“


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