Multiversum-Prozess: Eine Teil-Verurteilung und neun Freisprüche

Erstellt am 25. März 2022 | 16:50
Lesezeit: 3 Min
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Foto: Gerald Burggraf
Keiner der anwesenden Beschuldigten wurden damit wurde im Anklagepunkt des Betrugsverdachts im Zusammenhang mit der Bundessportförderung schuldig gesprochen. Nur Franz Kucharowits in drei Punkten zu 18 Monaten bedingt verurteilt.
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Mehr als elf Jahre nach der Eröffnung und knapp zehn Jahre nach dem Bekanntwerden möglicher Malversationen rund um das Multiversum kam es heute Freitag zu einem vorläufigen juristischen Ende. Für neun der elf anwesenden Angeklagten endete der Prozess mit einem Freispruch in allen Anklagepunkten - zwei Beschuldige fehlten krankheitsbedingt, womit deren Verfahren ausgeschieden und zu einem späteren Zeitpunkt fertig verhandelt wird.

Allen voran der Betrugsverdachts im Zusammenhang mit der Bundessportförderung konnte keinem Beschuldigten nachgewiesen werden. Einzig der ehemalige Vize-Stadtamtsdirektor und frühere Hallen-Geschäftsführer Franz Kucharowits wurde in drei Punkten wegen Untreue sowie Urkundenfälschung für schuldig befunden. Dafür erhielt er 18 Monaten bedingt mit dreijähriger Probezeit.

In allen drei Punkten geständig

In allen drei Fällen hatte Kucharowits allerdings bereits zu Beginn des Prozesses seine Schuld eingestanden. Erstens eine Abschlagszahlung an den damaligen Geschäftsführer der Werner Schlager Academy (WSA) über 32.000 Euro, um ihn als zweiten Multiversum-Chef zu verhindern. Diese Summe muss Kucharowits zudem innerhalb von 14 Tagen an das Multiversum bzw. die Stadtgemeinde zurückzahlen.

Zweitens geht es um eigenmächtig erteilte Darlehen des Multiversum an einen Schwechater Unternehmer in Höhe von etwas mehr als 900.000 Euro (Kucharowits hat allerdings alles bereits Ende 2012 aus eigener Tasche zurückbezahlt) sowie an den SVS-Fußball und drittens um eine Unterschriftenfälschung im Zusammenhang mit dem Wohnprojekt Trappenweg, das allerdings nie realisiert wurde.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Die dem Schöffensenat vorsitzende Richterin Claudia Moravec-Loidolt betonte, dass die Strafe am unteren Ende angesiedelt wurde - das Strafmaß reicht in Kucharowits Fall von 1 bis 10 Jahre. Dem ehemaligen Hallenchef wurde sein Geständnis, die Rückzahlung der rund 900.000 Euro, die lange Verfahrensdauer und der unbescholtene Lebenswandel zugute gelegt. Daher auch die bedingte Strafauslegung.

Allerdings gab Kucharowits keine Erklärung zum Urteilsspruch ab. Ebenso wenig die Staatsanwaltschaft - übrigens auch in Bezug auf die Freisprüche der anderen Beschuldigten. Beide Seiten baten um drei Tage Bedenkzeit, damit ist keine der Entscheidungen rechtskräftig.

Fazekas: "10 Jahren Warten sind zu Ende"

Die anderen Angeklagten konnten derweil erleichtert durchatmen. Allen voran Schwechats Ex-Bürgermeister Hannes Fazekas (SPÖ), dem die Multiversum-Causa letztlich seine politische Karriere kostete. "Zehn Jahre Warten sind zu Ende", gab er erleichtert zu Protokoll. Er bedankte sich zudem bei seinen Unterstützern, allen voran bei seiner Familie. Sie waren an jedem Verhandlungstag dabei.

Die Richterin erläutert zudem in ihrer rund einstündigen Urteilserklärung, dass zum Zeitpunkt der Projektentwicklung alle Beteiligten vom Erfolg des Multiversum überzeugt waren. Ein Betrugs- oder Täuschungsvorsatz habe im "umfangreichen Beweisverfahren" nicht bestätigt werden können. Es sei aus Sicht des Schöffensenats zudem eindeutig zutage gekommen, dass sich alle Beteiligten für das Projekt engagiert hätten. Allerdings merkte sie auch kritisch an, dass wohl ein wenig Überschätzung dabei war - auch wenn man im rechtlichen Rahmen geblieben war.

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