Nestroy-Spiele: "Herrliche Gegend“. In ihrem 45. Jahr geben die Nestroy-Spiele die Satire „Weder Lorbeerbaum noch Bettelstab“– mit direktem Bezug zur Stadt.

Von Susanne Müller. Erstellt am 16. Juni 2017 (04:37)
Christine Bauer
Eric Lingens in „Weder Lorbeerbaum noch Bettelstab“.

Schwechat ist das Nestroy-Zentrum schlechthin. Am 24. Juni starten in Rannersdorf die bereits 45. Nestroy-Spiele im Schlosshof der Rothmühle. Und das Stück, das heuer zu sehen ist, hat noch dazu einen direkten Bezug zur Stadt: „Weder Lorbeerbaum noch Bettelstab“. Der Pseudo-Weltenbummler „Herr von Überall“ pendelt immer wieder zwischen Wien und Fischamend hin und her, weil er sich an der „herrlichen Gegend zwischen Simmering und Schwechat nicht sattsehen kann“.

Die Spießersatire aus dem Jahr 1835 wurde durch Nestroy eine gnadenlose Abrechnung mit der Wiener Kulturszene, eine Reaktion auf die arrogante Behandlung, die er als Künstler immer wieder durch sie erfuhr.

Wie so oft bei den Schwechater Nestroy-Spielen unter der Regie von Nestroy-Preisträger Peter Gruber liefert das Stück die Vorlage zu hochaktuellem, angriffslustigem Theater, da vieles, das Nestroy damals kritisierte, auch heute noch Gültigkeit hat.

Wenn „Herr von Überall“ also sagt: „Bei Schwechat fängt ein ganz anderes Klima an“, kann durchaus auch gemeint sein, dass in Schwechat Nestroy einen ganz besonderen Stellenwert hat. Immerhin finden hier nicht nur seit 45 Jahren Nestroy-Spiele statt, es gibt auch ein Nestroy-Online–Archiv unter www.nestroy.at und internationale Nestroy–Gespräche, bei denen schon seit 43 Jahren führende Nestroy-Wissenschaftler aus aller Welt zusammenkommen, referieren und diskutieren.