Prozess um Multiversum bringt Angriff und Geständnis

Ex-Bürgermeister von Schwechat Hannes Fazekas kritisierte Staatsanwaltschaft, der frühere Hallenchef Franz Kucharowits gab einzelne Verfehlungen zu.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:27
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Foto: Gerald Burggraf

Ihre Aussagen wurden mit Spannung erwartet: Jene von Ex-Bürgermeister Hannes Fazekas (SPÖ) sowie des ehemaligen Hallen-Geschäftsführers und Vize-Stadtamtsdirektors Franz Kucharowits.

Den Anfang am Freitag, dem dritten Prozesstag, machte der frühere Stadtchef. Und das im Stile eines Politikers, wie seine Eingangsstellungnahme zeigte. Er bekannte sich in sämtlichen Punkten nicht schuldig und betonte die Chance, die das Multiversum der Stadt eröffnet habe. „Es wurden 100 Arbeitsplätze im Zentrum Schwechats geschaffen“, unterstrich er.

Businesspläne von Experten erstellt

Und der frühere Nationalratsabgeordnete setzte auch zum Gegenschlag an, mit Kritik an der Staatsanwaltschaft. Die Anklage sei aus seiner Sicht „subjektiv wertend“ und er vermisse eine „seriöse Ermittlung“ im Vorfeld. Denn die Bemühungen um eine Förderung könne man keinem Politiker als Verfehlung ankreiden. Die Businesspläne wären von Experten erstellt worden und er habe sie als glaubwürdig erachtet. In operative Abläufe wäre er nicht involviert gewesen.

In diesem Zusammenhang merkte Fazekas an, dass er gegenüber Kucharowits als Geschäftsführer völliges Vertrauen hatte und dieser „vieles hinter meinem Rücken“ gemacht habe. Dass die ehemaligen Freunde und Weggefährten heute kaum mehr ein Wort miteinander reden, liegt für Fazekas auf der Hand – „er hat meine gesamte Karriere zerstört.“

Geständnis in drei Anklagepunkten

Als Nächster saß Franz Kucharowits vor dem Schöffensenat. Er zeigte sich eingangs tief betroffen, was in den vergangenen acht Jahren passiert sei – mitunter als Reaktion auf Fazekas Angriffe zu verstehen. Dennoch zeigte er sich in drei Anklagepunkten schuldig:

Die Unterschrift von Fazekas auf einer Patronanzerklärung für das Projekt „Trappenweg“ gefälscht zu haben.

Einen Beratervertrag für WSA-Geschäftsführer Martin Sörös über letztlich 32.000 Euro abgeschlossen zu haben, nur um Sörös als Multiversum-Co-Geschäftsführer zu verhindern.

Die unzulässige Vergabe des Darlehens mit Mitteln des Multiversum an Manfred Merten in Höhe von 930.000 Euro. Er ergänzte aber, bereits mit Ende 2012 die gesamte Summe zurückbezahlt zu haben.

Die restlichen Betrugs- und Untreue-Vorwürfe, etwa in Bezug auf die Bundessportförderung, wies er zurück. Als einer der Hauptursachen für die finanzielle Schieflage im Multiversum nannte Kucharowits die WSA, die kein (finanzielles) Versprechen eingehalten habe.