Schneiderei Mary verabschiedet sich

Erstellt am 25. Juni 2022 | 04:45
Lesezeit: 2 Min
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„Mary“ Maria Bittner mit ihrer Schneiderpuppe vor dem Atelier.
Foto: Brigitte Wimmer
Vor 33 Jahren machte sich Maria Bittner in der Sendnergasse 22 in Schwechat selbstständig. Freitag war der letzte Tag in ihrem Mode-Atelier.
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Immer wenn die Schneiderpuppe vor dem Geschäft stand, wussten die Kunden, „Mary“ hat ihre Modewerkstatt geöffnet. Seit Montag ist Maria Bittner jedoch im wohlverdienten Ruhestand.

Beim Interview mit der NÖN zeigte die Schneiderin auf ihre Kleiderstange im Geschäft und meinte: „Ich habe pro Woche circa einen Meter Kleidungsstücke genäht, das sind in 33 Jahren ungefähr 1,7 km, also circa die Strecke von meiner Schneiderei in der Sendnergasse bis zur Europaschule Frauenfeld.“

Bittner war immer im Einsatz: „Meine Kunden waren meine Chefs. Da musste ich hier mal schnell einen Notfallsanzug für das Begräbnis nähen und dort ein Kleid für die Brautjungfer anpassen.“ Die Schwechaterin hat auch für Flugbegleiter und Piloten genäht. Ein Riss in der Uniform oder eine Dienstgradänderung am Pilotenjackett waren da an der Tagesordnung. Auch die Uniformen der Rettung und Feuerwehr hat die Schneiderin an die jeweilige Figur angepasst und für die Theaterwerkstatt Schwechat entwarf sie Kostüme. Schon Bittners Mutter war Schneiderin, das Talent dazu liegt also in der Familie.

„Als Schneidergesellin hatte ich großes Glück“, erzählte die 63-Jährige. Bittner konnte sich damals die Meisterprüfung (circa 15.000 Schilling) nicht leisten. Aber dann fand sie in der Straßenbahn ein Täschchen mit teurem Schmuck. Eine Amerikanerin hatte diesen verloren und die junge Schneiderin bekam 25.000 Schilling Finderlohn ausgehändigt. Das ebnete ihren Weg zur Selbstständigkeit. „Ich habe mit meiner Schneiderei als 30-Jährige bei Null angefangen. Die Kunden sind aber stetig mehr geworden. Es war immer so, als hätte ich für Freunde genäht.“

Die Neo-Pensionistin wird weiterhin dem Theater mit ihrem Talent treu bleiben, sich jetzt aber mehr auf ihr Hobby, das Malen, konzentrieren.

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