Umgang mit Rausch und Risiko lernen

Erstellt am 30. November 2022 | 05:38
Lesezeit: 3 Min
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„Selbstwirksamkeit zu erleben gehört zu den wichtigen Erfahrungen unseres Lebens“, weiß Sozialarbeiter Martin Dworak.
Foto: Brigitte Wimmer
Das Schwerpunkt-Thema im Jugendhaus Schwechat lautete Suchtprävention.
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Der Regionalenwicklungsverein „Römerland Carnuntum Jugend“ lud zu einem Jugendregionalforum mit dem Thema „Cannabis“ ins Jugendhaus nach Schwechat. Im ersten Teil des Forums sprach Irene Weichhart von der Fachstelle Suchtprävention über Substanzen, natürliche und synthetische Cannabinoide, brachte sensible Beispiele und antwortete auf Fragen der Jugendbetreuerinnen und -betreuer.

Martin Dworak von der Teilorganisation „Römerland Carnuntum Jugend“ referierte im zweiten Teil des Forums über Risikoerfahrungen junger Menschen. Er hat die Funktion des „Risflecting Focal Point“ in der Jugendarbeit in Schwechat. Für den Sozialarbeiter besteht Suchtprävention darin, Settings für Jugendliche zu schaffen, um den Umgang mit Rausch- und Risikosituationen bewusst zu machen. Ein Umfeld, in dem junge Menschen lernen können, souverän mit Grenzsituationen umzugehen.

 Rausch kann die Seele wärmen, aber auch verbrennen

„In der Pubertät gibt es viele Rauschzustände“, lacht Dworak. Zum Beispiel spricht der „Risikotrainer“ vom Liebes- oder Wutrausch, aber auch durch exzessiven Sport oder viele Süßigkeiten kann man in einen Hochgefühlszustand kommen. Ein Rausch und zwar egal welcher, könne die Seele wärmen aber auch ordentlich verbrennen.

Man nenne es oft den „Jugendwahnsinn“ und meine damit das Missverhältnis zwischen intensivem Erlebnishunger und der Impulskontrolle. Im Gehirn junger Menschen entwickelt sich das neuronale Belohnungszentrum nämlich um vieles schneller als das Vernunftzentrum im Stirnhirn.

Das muss laut dem Sozialarbeiter aber auch so sein, denn nur wenn man sich in unbekannte Gefilde begibt, „etwas riskiert“, entstehen neue Ideen und kann Neues entdeckt werden. Für die Entwicklung jeder Person sei es unheimlich wichtig, auch immer wieder vom sicheren Boden wegzuspringen, das Vertraute zu verlassen. Jugendarbeiter sind, nach Meinung von Dworak, dafür da, einen Rahmen zu schaffen, damit beim Erweitern des Risikoraums junger Menschen niemand abstürzt.

So ähnlich wie beim Computerspiel „Supermario“, versuchen Jugendbetreuerinnen und -betreuer den Jugendlichen immer wieder kleine Plattformen der Sicherheit für neue Risikosprünge zu schaffen. Junge Menschen suchen Risiken auch deshalb, weil die Erfahrung damit, Spannung, Entspannung, Genuss, Gemeinschaftsgefühl oder einfach nur Spaß verspricht.

„Eltern haben eine andere Rolle als wir!“, so Dworak. Doch auch hier zählt, Verbote bringen viel weniger als ehrliche Kommunikation. Gespräche auf Augenhöhe helfen, um eine gute Beziehung aufzubauen. Dworak läuft Hindernissparcours mit seiner Jugendgruppe, klettert über Mauern und auf Bäume. „Da bekommen die Kids ein Gespür für den eigenen Körper“, so der Sozialarbeiter. Unter dem Motto „Wir feiern sicher!“ unterstützen sie Jugendliche auch, ihre Ideen für Geburtstagspartys und andere Feste kreativ zu verwirklichen.

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