Unternehmensgründung: Nachfolger gesucht. Die Übergabe von Firmen ist heutzutage keine rein innerfamiliäre Angelegenheit. Zwei Profis helfen dabei.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 10. Februar 2017 (05:45)
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Helmuth Antonu gründete gemeinsam mit ...

„Viele Unternehmer unterschätzen die Suche nach einem geeigneten Nachfolger enorm“, ist Helmuth Antonu überzeugt. Der 49-jährige Unternehmer gründete im Herbst des vergangenen Jahres gemeinsam mit seinem Partner Thomas Stöckl (52) die „Nachfolge-Agentur“ mit Sitz im Concorde Business Park. Der langjährige Geschäftsführer eines IT-Unternehmens sowie der ehemalige Verkaufsleiter sind überzeugt, dass eine Firmenübergabe nicht auf die leichte Schulter genommen gehört.

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Thomas Stöckl die Nachfolge-Agentur.

Sei es früher, vor allem in ländlicheren Gegenden, noch selbstverständliche gewesen, dass der Familienbetrieb von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird, stellt sich das Bild heute anders dar. „Viele junge Menschen zieht es in die urbanen Gebiete und sie schlagen eine ganze Laufbahn, etwa ein Studium, ein. Das ist der elterliche Betrieb oft kein Thema mehr“, weiß Antonu. Studien der Forschung für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) zeigt, dass 2014 noch die Hälfte aller Firmen familienintern übergeben wurde, mittlerweile würden über 65 Prozent aller Unternehmen extern weitergegeben.

Um die oftmals eigenhändig aufgebaute Firma am Leben zu halten und auch den Mitarbeitern eine Zukunftschance zu geben, müssen daher externe Nachfolger her. Allerdings hält der Agenturgründer auch fest, dass man zu allererst im nahen bis näheren Umfeld des zu übergebenden Betriebs sucht. „Das kann ein Familienmitglied sein aber auch ein Kunde oder Lieferant. Ebenso ein oder mehrere Mitarbeiter“, so Antonu.

Begleiter des gesamten Übergabeprozesses

Findet sich dort niemand, bleibt ein Verkauf oder eine Fusion mit einem anderen Unternehmen die einzige Option. Doch die „Nachfolge-Agentur“ versteht sich nicht als reiner Firmenvermittler, sondern als Begleiter des gesamten Übergabeprozesses. „Im Idealfall wendet sich ein Unternehmer bereits zwei bis drei Jahre bevor er tatsächlich in Pension geht bei uns“, erklärt der Experte aus Weiden/See (Bez. Neusiedl).

Denn eine Firmenübergabe besteht aus Sicht der Agenturgründer nicht nur daraus, den Betrieb zu übergeben, sondern ihn auch am Laufen zu halten. „Es ist zum Beispiel ein schwerer Fehler, wenn meine Betriebsanlagengenehmigung nächstes Jahr ausläuft und ich mir die Mühe nicht mehr machen will, weil ich eh in zwei Jahren aufhöre. Das macht den Betrieb wenig attraktiv“, betont er. Man wolle das Potenzial der Firmen herausstreichen und ihn als „gesunden Betrieb“ übergeben. Ein wichtiger Punkt dabei sei auch die Digitalisierung.

Das Erstgespräch ist übrigens kostenlos, die Anfragen häufen sich bereits. Entlohnt wird die Agentur über fünf Prozent des Übernahmepreises. Für die eigentliche Abwicklung sollte man sechs bis zwölf Monate einrechnen, erläutert Antonu.