Vulkan-Ausbruch der Gewalt endete vor Gericht

Ein junges Pärchen aus Schwechat (23, 20) lauerte Opfer im Treppenhaus auf und drangsalierte 24-Jährigen mit Schlagstock.

Erstellt am 09. Oktober 2021 | 05:23
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Landesgericht Korneuburg
Foto: NOEN, Löwenstein/Archiv

Abfällige Bemerkungen gegen eine 23-Jährigen wurden dem späteren Opfer zum Verhängnis. Diese hatte der 24-Jährige am 4. Juli 2020 bei einer Party in seiner Wohnung gegenüber der Freundin (20) des Täters getätigt. Das erzählte sie nach der Feier gleich brühwarm ihrem Lebensgefährten, von dem die junge Frau im fünften Monat schwanger ist.

„Warum erzählen’S ihm das“, war die fassungslose Frage von Richter Rainer Klebermaß. Denn die Tat am darauffolgenden Tag war durch „exzessive Gewaltausübung“ gekennzeichnet, wie es Staatsanwalt Friedrich Köhl bei der Schöffen-Verhandlung am Landesgericht Korneuburg formulierte. Mit, von der 20-Jährigen mitgebrachten, Strumpfmasken maskiert lauerte das Pärchen dem 24-Jährigen im Treppenhaus auf.

Gezielt griff der 23-Jährige sein Opfer mit einem Schlagstock an. Hinterrücks versetzte er ihm den ersten Schlag auf den Kopf: „Der erste Schlag war der härteste.“ Dadurch stürzte der 24-Jährige die Treppe hinunter. Statt es mit diesem „Denkzettel“ zu belassen, schlug der Mann weiter auf den Kopf des Opfers ein – die Folge: Der Kellner war dreieinhalb Wochen arbeitsunfähig. Bis heute hat er Einschränkungen in seiner linken Hand, die er zum Schutz seines Kopfes einsetzte. Und er ziehe jetzt um, sagte er dem Richter, da er nicht mehr angstfrei durch das Treppenhaus gehen könne. Auf die zweifache Entschuldigung des Angeklagten reagierte das Opfer nicht, die Wunden sitzen tief.

Einen möglichen Grund, warum die junge Frau mitgemacht hatte, gaben Familienmitglieder im Zuge ihrer Aussagen bei der Polizei zu Protokoll: Sie soll ihrem Freund „hörig sein“. Das stritten aber sowohl die 20-Jährige als auch der 23-Jährige ab. Reue war jedoch bei keinem der Angeklagten zu vernehmen.

Letztlich sprach der Schöffensenat das Pärchen der absichtlichen schweren Körperverletzung schuldig. Die bisher unbescholtenen werdenden Mutter kam mit 18 Monaten bedingt davon, sie nahm das Urteil an. Der Haupttäter fasste dreieinhalb Jahre unbedingter Freiheitsstrafe aus. Überdies wurde eine bedingte Vorverurteilung am Landesgericht Wiener Neustadt wegen des gleichen Delikts widerrufen, was weitere sechs Monate Haft bedeutet. Er gab keine Erklärung ab.

Ein wenig Lebensberatung durch den Richter gab‘s für die 20-Jährige am Ende der Verhandlung: So wies Klebermaß sie darauf hin, dass der Vater ihres Kindes in der Haft von einer anderen Frau Besuch bekommen habe, die sich als „seine“ Freundin bezeichnet hatte.