Wegen Posting vor Gericht: „Ich hab das nicht überdacht“

Erstellt am 24. Juni 2022 | 04:42
Lesezeit: 2 Min
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Auch bei Wortmeldungen auf Facebook sollte man sich vorab Gedanken machen.
Foto: Shutterstock/Wachiwit
Ein Facebook-Posting wurde einem Schwechater zum Verhängnis.
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Am Landesgericht Korneuburg vor Richter Martin Gall-Vanek machte ein 36-jähriger, jetzt geringfügig als Security beschäftigter Mann einen – wie man so schön sagt – vernünftigen Eindruck. Das war am 27. November letzten Jahres anders.

Da saß er in seiner Wohnung in Schwechat, sah sich im Fernsehen die „Licht-ins-Dunkel-Gala“ an und wurde von seinem Frust überwältigt. Er sah wie die Menschen in der Show tanzten und lachten, während er seinen Job wegen Corona verloren hatte, seine Kinder nicht sehen konnte und finanziell nicht mehr ein noch aus wusste.

Mit einem Posting auf Facebook verschaffte er sich Luft: „Es ist Zeit die Häuser der Politiker anzuzünden, sie von den Straßen zu verjagen und endlich aufzustehen.“ Der passende Paragraf des Strafgesetzbuches hat die Zahl 282: „Aufforderung zu mit Strafe bedrohten Handlungen und Gutheißung mit Strafe bedrohter Handlungen.“ „Ich hab das nicht überdacht“, sagte der 36-Jährige, der früher in der Nachtgastronomie gearbeitet hat, sichtlich beeindruckt von den juristischen Konsequenzen.

„Ich möchte es gar nicht abstreiten“, zeigte sich der Mann für seinen „Unsinn“ geständig. Bei so viel Einsichtigkeit und Verantwortungsübernahme kam der Richter zu dem Schluss: „Es bedarf hier keiner Bestrafung.“ Mit einer zweijährigen Probezeit, der Fortführung einer bereits begonnenen psychologischen Betreuung und der Beistellung von Bewährungshilfe, wurde das Verfahren gegen den 36-Jährigen vorläufig eingestellt.

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