Sperrstund? für das letzte Wirtshaus. EBERGASSING / Wegen familiärer Uneinigkeiten wird das Gasthaus Adamcsak geschlossen. Kindergärten suchen neue Essenslieferanten.

Von Otto Havelka. Erstellt am 27. März 2014 (23:59)
NOEN, Havelka
Kellnerin Nelly und Wirtin Samira Adamcsak müssen sich demnächst auf Wohnungs- und Jobsuche begeben.
Von Otto Havelka

Am 31. März ist es so weit: Mit dem Gasthaus Adamcsak im Zentrum des Ortes schließt das letzte Wirtshaus in der Gemeinde. Gerüchte über einen eventuellen Verkauf der traditionellen Gaststätte gab es schon seit einem Jahr. Im Mai 2013 verstarb Manfred Adamcsak, der sich mit dem Erwerb des Gasthauses vor 14 Jahren einen Lebenstraum erfüllt. Seither führt seine Frau Samira Adamcsak mit Kellnerin Nelly und einem Koch die Gaststätte weiter.

Tochter Christina ist berufstätig und bekannte schon damals, wenig Interesse an einer Übernahme des Betriebs zu haben. Nun ist ein scheinbar nicht zu kittender Riss in der Familie entstanden. Samira Adamcsak will das Gasthaus gerne weiterführen (sie wohnt auch im Stockwerk über der Gaststube). Tochter Christina will ihren Erbanteil ausbezahlt haben. So viel Geld hat die Wirtin aber nicht und „auch die Bank gibt mir nicht so viel Kredit“, seufzt die Wirtin. Das Wirtshaus sei mit der Belieferung von Kindergärten mit Essen zwar rentabel, aber in dem alten Haus stünden auch etliche Renovierungsarbeiten an.

Gemeinden suchen neue Lieferanten für Kindergärten

Auch Tochter Christina Adamcsak wirkt gegenüber der NÖN erschöpft. Sie wolle „über die Angelegenheit nicht mehr reden“. Nun soll das traditionsreiche Wirtshaus verkauft werden. Im Internet wurde es kurzfristig bereits um gut 300.000 Euro angeboten. Insider aus der Immobilienbranche bezweifeln allerdings, ob dies ein realistischer Preis ist. Und auch Samita Adamcsak bezweifelt das. Sie will nun ein paar Wochen zu Verwandten nach Bosnien fahren, „um einfach abzuschalten“. Dann will sie weitersehen.

NOEN, Havelka
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Unterdessen haben sich die betroffenen Gemeinden nach neuen Lieferanten für ihre Kindergärten umgesehen. Allein die Gemeinde Ebergassing musste 160 Essen pro Tag neu organisieren. In Götzendorf wird künftig der Gasthof Fede aus Pischelsdorf, der schon bisher den Hort versorgte, die Belieferung übernehmen. Und auch in Schwadorf kommt ein Gastronom aus dem Ort zum Zug: Rado Radovanovic, Inhaber des noblen Wiener Lokals „Gabel & Co.“ wohnt in Schwadorf und versorgt künftig die Neue Mittelschule.