Kunstrasen erregt Gemüter in Himberg. Die Grünen wettern gegen Plastik-Rasen in der Gemeinde. Zu Unrecht, findet SP-Bürgermeister Wendl.

Von Otto Havelka. Erstellt am 21. August 2019 (06:01)
Gemeinde Himberg
Auf dem Kleinstkinder-Spielplatz wurde aus Zeitgründen auch ein Kunststoff-Rasen verlegt.

Die Grünen schießen sich neuerdings auf Grünflächen ein: Unter dem Motto „Natur statt Kunstrasen“ starteten sie am vergangenen Mittwoch bei ihrem alljährlichen Sommerfest am Kirchenplatz eine Unterschriften-Aktion gegen Plastik-Gras in der Gemeinde.

Was die Grünen vor allem empört: Der geplante Kunstrasen-Streifen in der Schulallee wäre bereits das dritte Plastik-Grün, das im heurigen Jahr verlegt wird. Bereits im Frühjahr wurde rund um den neu geschaffenen Beachvolleyball-Platz Plastik-Rasen verlegt. Und auch der vor wenigen Wochen eröffnete Kleinstkinder-Spielplatz neben der Kinderkrippe ist mit Kunststoff-Grün ausgelegt.

„In Zeiten wie diesen, wo Mikroplastik in aller Munde ist und die EU ein Verbot von Kunstrasen ab 2022 plant, ist das wirklich nicht notwendig“, wettert Grünen-Ortsparteiobmann Robert Sack. Und auch FP-Umweltgemeinderat Sascha Csida stimmte im Gemeindevorstand gegen das Plastik-Grün in der Schulallee. Korrekterweise sei an dieser Stelle angemerkt, dass die EU kein Verbot von Kunstrasen plant, sondern des Einsatzes von Mikroplastik-Granulat, das unter anderem als Füllmaterial für Kunstrasen genutzt wird.

Hersteller verwendet kein Mikroplastik

SP-Bürgermeister Ernst Wendl will das Image, ein Befürworter von Plastik statt Rasen zu sein, nicht auf sich sitzen lassen. Rund um den Beachvolleyball-Platz habe man sich für Kunststoff-Rasen entschieden, weil von dort der Sand wieder leicht auf den Platz gekehrt werden kann. Beim Kleinstkinder-Spielplatz hätte sich die Eröffnung „um Monate verzögert“, wenn Naturrasen gepflanzt worden wäre, und bei Regen wären die Kinder im Gatsch gestanden.

Beim Barbara-Heim gehe es um einen „schmalen Streifen“ rund um drei Gedenksteine unter Bäumen, in deren Schatten „nichts wächst“, erklärt der sichtlich verärgerte Ortschef. „Wir haben bewusst einen zertifizierten Hersteller ausgewählt, der kein Mikroplastik verwendet“, versichert Wendl. „Aber wenn man das will, lass ich den Kunstrasen wieder wegräumen und dann gibt‘s dort halt eine Gstettn“, schüttelt er den Kopf.

„Es gibt Rasensamen, die speziell für Schatten verwendet werden“, kontert Sack. Naturrasen brauche zwar „ein bisschen mehr Pflege, aber das wird ja wohl machbar sein“.
Grund für den Polit-Streit scheint auch mangelnde Kommunikation im Vorfeld der Gemeinderatswahl Anfang nächsten Jahres zu sein. „Wir haben von dem Kunstrasen-Projekt erst aus der Gemeindezeitung erfahren“, ärgert sich Sack. „Vor einer Unterschriftenliste hätte man auch mit uns reden können“, zeigt sich hingegen Bürgermeister Wendl verschnupft.

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