Schwechat: Raiffeisen trennt sich von Chefduo. Hans S. und Manfred S. sind ihre Jobs los. Bank will zurück zu den Wurzeln.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 05. August 2020 (05:57)
Gerald Burggraf

Sie leiteten über Jahre hinweg die Geschicke der Raiffeisen Regionalbank (RRB) in Schwechat. Ins Geldinstitut geholt wurden Hans S. und Manfred S. vom ehemaligen Obmann Franz Therner. Seit wenigen Tagen sind die beiden Geschäftsleiter jedoch ihre Jobs los. Der Bankvorstand um Vorsitzenden Johann Prendl berief die Wiener ab.

Der Grund für die Trennung wären schlicht die unterschiedlichen Ansichten über die zukünftige Ausrichtung der Bank gewesen. „Es gab schon länger diesbezüglich Differenzen“, gibt Prendl im NÖN-Gespräch zu. Die Funktionäre wollen die Raiffeisen wieder näher an ihren ursprünglichen genossenschaftlichen Auftrag heranbringen. Darunter fällt den ureigensten Förderauftrag einer Bankgenossenschaft, durch Kreditvergaben verstärkt Investitionen in der Region zu ermöglichen. „Wir wollen uns von den anderen Banken abheben. Unsere Kunden und deren Bedürfnisse besser ansprechen“, erklärt der Obmann.

Von mir gibt es derzeit keinen Kommentar. Alles andere wäre zum jetzigen Zeitpunkt unprofessionell. Ex-Raiffeisenbankdirektor Hans S.

Zudem sollen spürbare Signale in Sachen Präsenz und „Vor-Ort-Sein“ gesetzt werden. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Bankstellen an sich, dem Trend zu Online-Banking & Co kann sich auch die RRB Schwechat nicht entziehen. Vielmehr will der Vorstand Kompetenzzentren etwa für Veranlagung oder Versicherung schaffen. In Sachen Wohnraumfinanzierung gibt es das bereits in Fischamend. „Das Ziel lautet mehr Beratung“, hält Prendl fest.

Letztlich hätten die Ex-Geschäftsleitern eine andere Philosophie verfolgt. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, unterstreicht Prendl. Und der Raiffeisenchef hält fest, dass hinter der Absetzung keinerlei Skandale stehen: „Es gab und gibt keine Malversationen, nicht einmal einen Verdacht.“

Bis auf Weiteres führen die Prokuristen Werner Schnitzer, Wolfgang Iglauer, Nenad Tanasijevic und Michael Kriszt die Geschäfte. Parallel wird nach zwei neuen Direktoren – das Vier-Augen-Prinzip ist Pflicht – gesucht. Laut Prendl ist ein Zeitraum von drei Monaten realistisch.

Die Raiffeisen betreut rund 23.100 Kunden und erreichte im Vorjahr eine Bilanzsumme von 533 Millionen Euro. Die verwalteten Einlagen auf Sparbüchern und Girokonten lag bei rund 457 Millionen Euro.

Ex-Geschäftsleiter Hans S. wollte auf NÖN-Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht professionell, betont er. Trotz Kontaktversuchen seitens der NÖN gab es bis Redaktionsschluss keine Rückmeldung von Manfred S..