SPÖ Fischamend: Seit 20 Jahren steil bergab. Die SPÖ fuhr bei den letzten Wahlen stets Verluste ein. Die Gründe dafür scheinen vielfältig zu sein.

Von Stefanie Cajka. Erstellt am 12. Februar 2020 (01:44)
SPÖ Fischamend; NÖN-Grafik: Bischof; Illustration: TarikVision/Shutterstock.com

In den letzten 20 Jahren erlebte die SPÖ Fischamend eine regelrechte Talfahrt, die bei der Gemeinderatswahl im Jänner ihren Tiefpunkt fand. Von 50,9 Prozent und 14 Mandaten im Jahr 2000 sind zwanzig Jahre später nur noch 11,2 Prozent und zwei Gemeinderatsmandate übrig.

SP-Vorsitzende Andrea Kerb.
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In einer Sitzung in der vergangenen Woche wurde beschlossen, dass die SP-Vorsitzende Andrea Kerb und Bernd Konecny die beiden Mandate annehmen werden. Die Gründe, die die Vertreter der SP-Stadtgruppe für die Verluste bei der Gemeinderatswahl identifizieren, sind vielfältig. Einer davon sei, dass man zu wenig und zu spät agiert habe. „Wir sind zu wenig in der Öffentlichkeit gewesen, die ganze Periode über“, stellt Kerb selbstkritisch fest. Tina Rigler, die auf Platz 3 der SP-Liste stand, ortet in der mangelnden Öffentlichkeitspräsenz ebenfalls ein Problem. Auch Konecny zufolge sei es zu spät, sich zwei Monate vor der Wahl präsent zu zeigen.

Gleichzeitig wird angesprochen, dass die Spitzenkandidatin zu wenig Zeit hatte, sich zu etablieren und positionieren. Die Amtsübergabe habe sich später ereignet als ursprünglich geplant. „Heute jemanden zu finden, der bei einer geschwächten Organisation etwas tun will, ist schwierig“, stellt Franz Rausch, Kerb-Vorgänger als SP-Chef, im NÖN-Gespräch fest. „Ich glaube, wir haben unsere Themen nicht rübergebracht“, ist ein weiterer Punkt, den er als problematisch identifizierte und den Rigler ebenfalls vorbrachte. „Wir sind zu wenig nach außen gegangen“, resümiert Kerb.

Negativ ausgewirkt haben sich möglicherweise auch innerparteiliche Uneinigkeiten. „Streitereien innerhalb der Partei quittiert niemand. Man muss versuchen, das Positive herauszuarbeiten“, stellt Rausch fest.

In Zukunft "wirkliche Oppositionsarbeit"

Für die nächsten fünf Jahre nimmt Konecny sich vor, „wirkliche Oppositionsarbeit zu machen“. „Wir müssen mehr auf Themen setzen und sachliche Arbeit leisten“, ist auch Riglers Herangehensweise. „Wir werden versuchen, unsere Ideen zu konkretisieren und nach außen zu tragen“, hält Kerb fest. Ein weiteres zentrales Anliegen sei es außerdem, neue Personen ins Boot zu holen. „Wir haben Aufholbedarf, was die Jugend betrifft“, stellt Kerb fest. Das unterstreicht auch Rausch; gleichzeitig hebt er allerdings hervor, dass es eine gewisse Ausgewogenheit brauche. Die Jugend gehöre ihm zufolge durch die Jugend vertreten, Senioren durch Senioren.

Bernd Konecny.
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Er betont allerdings, dass sich die SP-Akteure der Vergangenheit, er selbst eingeschlossen, eher im Hintergrund halten sollen. Man müsse die jetzige Generation arbeiten lassen, ihr aber gleichzeitig mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Wenn wir es selbst so gut gemacht hätten, dann hätten wir jetzt nicht zwei Mandate“, übt Rausch Kritik.