VP-Chef rät Spar zum Rückzug. Kontroverse /  VP-Landtagsabgeordneter Lukas Mandl empfiehlt Spar in einem offenen Brief, den Standort Ebergassing aufzugeben.

Erstellt am 11. Juni 2013 (23:56)
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Von Otto Havelka

EBERGASSING / Es vergeht kaum eine Woche, in der das geplante Spar-Logistikzentrum nicht für heiße Diskussionen sorgt. Jüngster Aufreger: Ein „Offener Brief“ an das Management der Spar-AG, dass es „eine falsche Entscheidung wäre“, das Logistikzentrum in Ebergassing zu bauen. Absender des Schreibens ist niemand Geringerer als Bezirks-VP-Chef und Landtagsabgeordneter Lukas Mandl.

Dieser hatte sich noch vor einigen Monaten gefreut, dass Spar zusagte, dass es keine Lkw-Fahrten durch den Ort geben werde.

Nun empfiehlt er dem Handelsriesen, mit dem Logistikzentrum anderswo sein Glück zu suchen. Mandl schwenkt damit praktisch voll auf die Linie der Bürgerinitiative ein, die sich rigoros gegen das Logistikzentrum ausspricht.

Damit gewinnt die Causa auch politische Brisanz. Mandls Empfehlung zum Rückzug habe zwar „nichts mit Parteipolitik“ zu tun, beteuert er, die Vorgangsweise sei aber mit der Bezirkspartei abgesprochen und er stehe auch als Bezirksparteiobmann dazu. In der VP-Landeszentrale heißt es dazu: „Kein Kommentar.“ Das sei eine regionale Angelegenheit.

Ebergassings SP-Bürgermeister Roman Stachelberger ist weniger zurückhaltend: „Wenn Mandl behauptet, die Mehrheit sei gegen das Logistikzentrum, dann soll er noch einmal in die Schule gehen. Vier Prozent der Bevölkerung ist nicht die Mehrheit.“

Er vermutet hinter Mandls Ansinnen andere Motive. „Mandl hat sich in Gerasdorf öffentlich für die Ansiedlung von mehr Betrieben ausgesprochen. Vielleicht will er dort mit dem Spar-Logistikzentrum punkten.“

Alois Huber, Geschäftsführer der SPAR-Zentrale St. Pölten ist über Mandls Brief „überrascht“. An einen Rückzug aus Ebergassing denkt er deswegen nicht. Und stellt die Gegenfrage: „Welchen Ratschlag würde Mandl dem Flughafen geben, gegen dessen Pläne 27 Bürgerinitiativen aktiv sind?“

Aus dem offenen Brief:

Unter dem Titel „Das Logistikzentrum bitte nicht in Ebergassing ansiedeln!“ appelliert VP-Bezirksobmann und Landtagsabgeordneter Lukas Mandl an das Spar-Management, die Pläne für das neue Logistikzentrum fallen zu lassen.

Die NÖN bringt Auszüge aus Mandls Schreiben:

„Mein Respekt für Sie ist ehrlich. Genauso ehrlich ist meine Meinung, dass es eine falsche Entscheidung wäre, Ihr neues Logistikzentrum in Ebergassing zu errichten. (...)

Wenn alle rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden, dann ist das eine selbstverständliche Grundvoraussetzung. Diese sagt aber noch nichts über die Sinnhaftigkeit und die Zukunftsfähigkeit eines Projekts aus. (...)

Mehr als jeder Privathaushalt brauchen Sie ein Umfeld, mit dem ein gedeihliches Auskommen möglich ist. Genau das ist in Ebergassing nicht möglich. Die klare Mehrheit der Betroffenen ist gegen die Ansiedelung des neuen Logistikzentrums in ihrer Ortschaft. (...)

Außerdem sind Sie in der glücklichen Lage, sich für einen anderen Standort, der infrastrukturell besser angebunden und weit weg von Wohnsiedlungen ist, entscheiden zu können. (...)

Zukunftsfähig wäre ein Standort, an dem durch ein gutes Miteinander mit der Wohnbevölkerung nachhaltiges Wirtschaften möglich ist. Es ist noch nicht zu spät!

VP-Bezirksobmann Lukas Mandl: Standort Ebergassing „wäre falsche Entscheidung“.

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