Feuerwehr warnt: „Laubwald kann auch brennen“. Bezirksfeuerwehr Bruck arbeitet am Aufbau einer eigenen Spezialisten-Gruppe, um für Waldbrände gerüstet zu sein.

Von Susanne Müller. Erstellt am 18. August 2021 (05:49)
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Feuerwehr-Kräfte aus Niederösterreich waren zuletzt in Nordmazedonien im Einsatz, so auch Brucks Bezirksfeuerwehr-Kommandant Christian Edlinger.
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„So einen Einsatz habe ich noch nie erlebt, eine Brandwand mit einer Länge von 15 Kilometern, die Flammen lodern teilweise bis 70 Meter hoch“, erzählte Christian Edlinger im Gespräch mit der NÖN. Erst vergangene Woche ist der Bezirksfeuerwehr-Kommandant aus dem Waldbrand-Gebiet in Nordmazedonien zurückgekehrt, wo er sich einen Eindruck von der Lage verschaffte, um eine Taktik für die folgenden Einsatztage festlegen zu können ( die NÖN berichtete ).

Heuer schon mehr als 40 Waldbrände

Mitgebracht hat er erschütternde Bilder aus dem Katastrophengebiet, wie man sie derzeit aus vielen südlichen Regionen Europas kennt. Doch nicht nur im Süden steigt die Waldbrand-Gefahr infolge der Klimakrise, sondern auch bei uns. Das besagt eine Studie des International Institute for Applied Systems Analysis. Allein heuer rückten die Feuerwehren in Niederösterreich bereits zu mehr als 40 Waldbränden aus, was aber noch im Schnitt der letzten Jahre liegt.

Im Brucker Bezirk ist die Waldbrand-Gefahr nicht ganz so groß wie anderswo, weil es hier vorwiegend Laubwälder gibt, wie Edlinger erklärt. Bei Nadelgehölzen sei die Gefahr aufgrund des hohen Harz-Gehalts besonders groß. Ist schon ein Brand ausgebrochen, bergen sie auch für die Feuerwehrkräfte beim Löschen besondere Risken.

„Die Bockerl sind voll mit Harz. Die schießen weg und können mit dem Wind bis zu einen Kilometer weit getragen werden. Da muss man aufpassen, dass sie nicht hinter einem landen und man plötzlich vom Brand umzingelt ist“, so Edlinger. Darüber hinaus müsse man in der Brandbekämpfung unterscheiden, ob ein Brand erst in der Entstehung so, oder ob ein Waldstück bereits im Vollbrand steht. Dann nämlich könne man sich meist nur darauf konzentrieren, eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Die Verordnung tritt auf Empfehlung der Forstinspektion in Kraft.“ Bezirkshauptmann Peter Suchanek

Edlinger hat sich bei seiner Wahl zum Bezirksfeuerwehr-Kommandanten jedenfalls zum Ziel gesetzt, eine eigene Waldbrandgruppe für den Bezirk zu gründen, für die es dann spezielle Ausbildungen und Geräte gibt. Derzeit gibt es in Niederösterreich rund 200 Mitglieder derartiger Waldbrandgruppen, die im Ernstfall über den Landesführungsstab auch bei Auslandseinsätzen wie jenem in Nordmazedonien zum Einsatz kommen. Der jüngste Einsatz wurde am Freitag von der EU beendet.

Hierzulande sei es jedenfalls auch von großer Bedeutung, entsprechend präventiv vorzugehen, verweist Edlinger auf die aufrechte Waldbrand-Verordnung der Bezirkshauptmannschaft. Die ist seit Mai in Kraft und besagt im Wesentlichen, dass man im Wald und in der Nähe von Wäldern nicht mit offenem Feuer hantieren darf, keine Zigaretten oder Zündhölzer, aber auch kein Glas oder Glassplitter wegwerfen darf. „Denn auch der Laubwald kann zu brennen beginnen“, betont Edlinger.

Zündeln kann teuer werden

Bezirkshauptmann Peter Suchanek erklärt, dass die Waldbrand-Verordnungen angesichts der immer größeren Trockenheit schon fast jedes Jahr erlassen werden. „Die Verordnung tritt auf Empfehlung der Forstinspektion in Kraft, vor allem wenn es längere Zeit nicht geregnet hat und die Trockenheit besorgniserregend wird“, so Suchanek.

Meistens gelte sie bis Ende Oktober. Verstößt man dagegen, wird nach dem Forstgesetz bestraft und das kann ganz schön teuer werden: Bis zu 7.270 Euro beträgt der Strafrahmen – auch wenn durch das Zuwiderhandeln im konkreten Fall kein Brand entstanden ist.

Etwas Vergleichbares gibt es übrigens für das Verhalten auf Feldwegen nicht, obwohl Flurbrände häufig vorkommen.

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