Ehemalige Deponie wird Solarpark. Auf ehemaligem Deponiegelände in Wienerherberg soll eine riesige Photovoltaik-Anlage entstehen.

Von Otto Havelka. Erstellt am 07. April 2021 (05:55)
Bis zu 20 Hektar könnte die Photovoltaik-Anlage in Wienerherberg betragen.
Gerald Burggraf

Bürgermeister Roman Stachelberger (SPÖ) wartete kürzlich gegenüber der NÖN mit einem überraschenden Projektplan auf: Auf dem Deponiegelände der insolventen Transport- und Deponiefirma Huber könnte eine große Photovoltaik-Anlage errichtet werden. Er habe dazu auch schon einige Gespräche mit Herbert Paierl, dem Geschäftsführer der „pcb Paierl Consulting Beteiligungs-GmbH“ sowie Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbands Photovoltaic Austria (PVA), geführt. Die Gemeinde würde dafür ihre Grundstücke auf dem Deponiegelände im Ausmaß von rund neun Hektar verpachten. In den kommenden Wochen solle mit weiteren Grundstückseigentümern gesprochen werden. Ziel sei laut Stachelberger ein etwa 20 Hektar großer Solarpark.

ÖVP-Gemeindeparteiobmann Anton Hietz, Wienerherberger und scharfer Huber-Kritiker, ist jedenfalls dafür. Das Deponiegelände sei für die nächsten Jahrzehnte „landwirtschaftlich ohnedies nicht mehr nutzbar“. Mit Herbert Paierl würde sich die Gemeinde jedenfalls einen prominenten Partner angeln. Er war zwölf Jahre als Büroleiter unter dem steirischen Landeshauptmann Josef Krainer jr. für die Energiewirtschaft zuständig.

Durch seine Arbeit als Vorstandsdirektor in der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitätswerke AG (heute Energie Steiermark), konnte er von 1993 bis 1996 einige erneuerbare Energie Projekte umsetzen. Von 1996 bis 2004 kehrte er als Landesrat für Wirtschaft-Finanzen-Europa in die Landesregierung zurück. Seit 2004 ist Paierl selbstständiger Unternehmer. Den Plan, auf der Huber-Deponie eine Photovoltaik-Anlage zu errichten, hält er für eine „gute Nachnutzungs-Idee. Das könnte Sinn machen“, erklärt Paierl.

Derzeit sind noch viele offene Fragen zu klären

Allerdings ist das Projekt noch lange nicht in trockenen Tüchern. Voraussetzung ist, dass zuvor eine Standortverordnung vom Land erteilt werden müsste. Denn es besteht nach wie vor ein aufrechter UVP-Bescheid für das gescheiterte Golfplatzprojekt Hubers. Der Unternehmer erwirkte eine Genehmigung, auf der Deponie höher aufschütten zu dürfen, um mit dem Erdaushub bis 2024 einen Golfplatz modellieren zu können. Mit der Insolvenz des Unternehmens ist das Golfplatz-Projekt aber vom Tisch. „Rund 20 Hektar der alten Deponiefläche befinden sich aber nach wie vor im Besitz des Huber-Clans“, weiß Hietz. Die Gemeinde verfolge das Projekt daher „ohne Huber-Gründe“, erklärt der ÖVP-Chef.

Auf dem Gelände der stillgelegten Huber-Deponie soll eine große Photovoltaik-Anlage errichtet werden.
Havelka, Havelka

Paierl sieht vorerst einen „großen Informationsbedarf“. So müssten zuerst die Grundbesitzer ausführlich informiert werden. Erst dann könne man über eine Zusammenführung von Grundstücken für die Photovoltaik-Anlage reden. „Grundsätzlich wäre das Gebiet sehr geeignet, aber mehr ist derzeit nicht dazu zu sagen“, bremst Paierl allzu euphorische Erwartungen der Befürworter.

Für die Gemeinde wäre mit einer Realisierung ein verträglicher Abschluss des Deponie-Themas gefunden. Nachdem vor zwei Jahren spekuliert wurde, die Strabag könnte auf dem Areal Grundstücke erwerben und die Deponie ausweiten, wurde im Gemeinderat beschlossen, keine Bewilligung für eine Deponie mehr zu erteilen. Das wäre aber ohnedies kaum möglich. Denn die Deponie ist offiziell geschlossen und müsste daher neu beantragt werden.

Umfrage beendet

  • Sollte es mehr Photovoltaik-Parks auf brach liegenden Flächen geben?