Fischamend: Gedenkdienst vor dem "Tor zur Hölle"

Erstellt am 10. August 2022 | 04:40
Lesezeit: 3 Min
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Noah Schleinzer vor dem jüdischen Museum in der polnischen Stadt Oświęcim (Auschwitz), die je etwa eine gute Stunde von den Grenzen zur Slowakei und Ungarn liegt.
Foto: privat
Noah Schleinzer arbeitete zehn Monate lang am „Auschwitz Jewish Center“.
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Auschwitz. Ein Wort als Synonym für das Vernichtungsregime der Nationalsozialisten. Zwischen 1940 und 1945 wurden in dem Konzentrationslager rund 1,1 Millionen Menschen getötet, mehr als eine Million davon Juden. Als eines der dunkelsten Kapitel gehört Auschwitz zum Kollektivgedächtnis der Menschheitsgeschichte und ist als Gedenkstätte heute weltweit ein Begriff.

Weit weniger bekannt dürfte allerdings sein, dass das ehemalige KZ nicht der einzige Erinnerungsort an die Gräueltaten der Nazis ist. So befindet sich in der 40.000 Einwohner zählenden Stadt Oświęcim – zu deutsch Auschwitz – das „Auschwitz Jewish Center“ (AJC). Dort wird ein Museum samt Kaffeehaus betrieben.

Zehn Monate lang half der Fischamender Noah Schleinzer am AJC vor Ort in Polen tatkräftig mit. Und zwar im Zuge eines Ersatzzivildienstes im Ausland, dem Gedenkdienst. „Mein Opa hat mir davon erzählt und ich habe daraufhin im Internet recherchiert. Dort bin ich auf den ‚Verein Österreichischer Auslandsdienst‘ und infolge auf das AJC gestoßen“, erzählt der 20-Jährige im NÖN-Gespräch.

Urgroßvater war im KZ interniert

Was ihn daran gereizt hat? Geschichtliches Interesse, das Bedürfnis und der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun sowie direkt nach der Schule im Ausland zu leben und auch ein ganz persönlicher Grund. „Mein Urgroßvater war während des Zweiten Weltkrieges in einem Konzentrationslager interniert“, erzählt der Enkel des ehemaligen Spielleut-Ensemblemitgliedes Karl Schleinzer.

Seine Aufgaben am „Auschwitz Jewish Center“ bestanden vor allem darin, Führungen für deutschsprachige Schülergruppen durch das Museum, die Stadt Oświęcim sowie den jüdischen Friedhof abzuhalten. Zudem arbeitete er im Museumscafé „Café Bergson“ und wirkte an Projekten, wie dem Übersetzen von Wikipedia-Artikeln rund um das AJC mit oder half bei der Katalogisierung und Digitalisierung von Museumsartefakten mit. „Es war eine wirklich einmalige Erfahrung“, sagt Schleinzer.

In Oświęcim will man „niemals vergessen“

Anfangs war es „geradezu unheimlich dort zu sein, so nah an einem Ort, an dem unaussprechliche Verbrechen an der Menschheit begangen wurden“, ergänzt der 20-Jährige. Doch er habe sich daran gewöhnt, „auch wenn das arg klingen mag“. Dann könne man jedoch auch unabhängig von der Gedenkstätte auf die Stadt und deren Bewohner blicken. „Man merkt, dass dort viel getan wird, um niemals zu vergessen“, unterstreicht der junge Fischamender.

Letzten Endes empfiehlt er jedem, der nach der Schule etwas Sinnvolles und vielleicht auch noch im Ausland machen will, den Gedenkdienst zu absolvieren. „Es ist eine tolle Sache für alle, die ihren Horizont erweitern wollen“, hält der Absolvent der Wirtschafts- und Tourismusschule „Pannoneum“ in Neusiedl am See fest.

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