Streit unter Autofahrern: „Steig aus, du feige Sau“

Zwei Autofahrer gerieten an einer Kreuzung in Zwölfaxing aneinander. Dabei soll ein Autospiegel zu Bruch gegangen sein. Was tatsächlich geschah, ließ sich nicht nachvollziehen.

Christian Pfeiffer Erstellt am 26. September 2021 | 05:31
MORDPROZESS IM FALL K†HRER AM LANDESGERICHT KORNEUBURG: LANDESGERICHT
Das Landesgericht Korneuburg
Foto: NOEN, APA

Autofahren ist ein verlässlicher Quell für Strafverhandlungen am Landesgericht Korneuburg. So auch am 21. Dezember 2020 um 16.47 Uhr in Zwölfaxing. Damals soll ein 42-jähriger Arbeiter bei einem Überholmanöver „alle z’sammg’schnitten haben, dass ins Bankett ausweichen müssen“. Davon betroffen auch ein 53-jähriger freiwilliger Sanitäter, der privat unterwegs war. „Drei Kilometer“ oder „zehn Minuten“ – je nach Wahrnehmung – später, trafen die zwei an einer Ampel wieder aufeinander.

Der darauf folgenden gegenseitigen Provokation – „Steig aus, du feige Sau, wir regeln das gleich da“ – soll der rechte Seitenspiegel des Kfz des 53-Jährigen durch einen Fußtritt des Angeklagten zum Opfer gefallen sein. Den Schadenersatz in der Höhe von 1.864 Euro, den der Privatbeteiligtenvertreter Florian Astl vom 42-Jährigen forderte, anerkannte dieser nicht. Denn in seiner Version der Ereignisse sei das vermeintliche Opfer an dieser Ampel „ausgezuckt wie ein Gestörter“.

Astl nutzte in seinem Schlussplädoyer die Gelegenheit, auf die Zunahme der Auseinandersetzungen im Straßenverkehr hinzuweisen und attestierte dem Arbeiter „kein unsympathischer Kerl“ zu sein. Ungewöhnlich genug, schloss sich der Angeklagte, der nicht vertreten war, diesen Worten an. Richterin Monika Zbiral sah sich mit den zwei sehr unterschiedlichen Schilderungen der Abläufe konfrontiert, was sie letztlich mit den Worten „Da haben sich zwei gefunden“ zusammenfasste. „Es ist nicht mit Sicherheit festzustellen, was wirklich passiert ist“, begründete die Richterin ihren Freispruch für den 42-Jährigen.